Gemeinde Allschwil

Allschwils Natur auf der Spur

Die Gemeinde Allschwil birgt viele erlebnisreiche Naturräume inner- und ausserhalb von Wohngebieten und ist sich der Bedeutung von intakten natürlichen Lebensräumen bewusst. Sie tragen nicht nur zum Wohlbefinden von uns Menschen bei, sondern tragen auch zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Insbesondere im Siedlungsgebiet ist es wichtig, geeigneten Lebensraum für die Tiere und Pflanzen zu schaffen, damit sie sich fortpflanzen, Nahrung finden und Versteckmöglichkeiten haben. Nur so erhalten wir die Biodiversität. Ebenso tragen Bäume, Hecken und Grünflächen zu einem angenehmen Stadtklima bei.

Eulensignet
Diverse Flächen wurden in den vergangenen Jahren in Allschwil bereits zur Verbesserung des Lebensraumangebots und zur Förderung der Artenvielfalt aufgewertet.
Hierzu zählen:

  • Wegmattenpark: Uferstreifen, Blumenwiesen
  • Bettenacker: Naturgarten, Staudenflur
  • Gemeindeverwaltung: Umgestaltung Grünstreifen Dürrenmattweg
  • Baselmattweg: Umgestaltung Grünstreifen (sog. Hunde-WC)
  • Friedhof: Blumenwiese
  • Trämli-Spielplatz: extensive Wiese, Hochstamm-Obstbäume, Wildhecken

Was es alles innerhalb der Gemeinde Allschwil zu entdecken gibt, erfahren Sie hier auf der Seite «Allschwils Natur auf der Spur“.

Die kluge Eule begleitet Sie auf Ihren Erkundungstouren.

Interaktive Karte

Allschwiler Wald

Eichen

Grosse, knorrige Eichen prägen den Allschwiler Wald. Dabei handelt es sich um zwei verschiedene, nahe verwandte Baumarten: Die Traubeneiche und die Stieleiche. Beide wachsen zu sehr grossen, imposanten Bäumen heran und können mehrere hundert Jahre alt werden. Sie unterscheiden sich bei Details: Bei der Stieleiche sitzen die Eicheln selber an den Namen gebenden langen Stielen, bei der Traubeneiche sind die Stiele kurz. Bei den Blättern helfen die Namen hingegen nicht: hier ist es die Traubeneiche, deren Blätter Stiele resp. Stängel haben, nicht die Stieleiche.

Kleinräumig bevorzugen die beiden Arten etwas verschiedene Stellen im Allschwiler Wald: Die Stileiche wächst am besten in tiefgründigen, lehmigen Stellen. Die Traubeneiche hingegen ist empfindlicher gegen Nässe und bevorzug trockene, etwas erhöhte Standorte.

Eines haben beide Eichenarten aber gemeinsam – ihre enorme Bedeutung für die Artenvielfalt. An keiner anderer Baumart leben so viele verschiedene Insektenarten! Insgesamt sind es weit über 1000 Arten, darunter alleine über 400 Schmetterlinge und mehr als 50 Bockkäfer.

Eichen im Allschwiler Wald

Eichenkäfer

Im Allschwiler Wald kommen mehrere sehr anspruchsvolle Käfer vor, die auf Eichen angewiesen sind. Mit Abstand am bekanntesten ist dabei der imposante Hirschkäfer. Vier weitere Arten mit teilweise abenteuerlichen Namen gehören zur Familie der Bockkäfer: der Schwarze Halsbock, der
Bunte Rinden-Widderbock, der Eichen-Zangenbock und der Mattschwarze Scheibenbock.

Meistens sind es dabei die Larven, die über mehrere Jahre im Holz leben und auf grosse alte Eichen, stehendes Totholz oder morsches Eichenholz angewiesen sind. In stark genutzten Wirtschaftswäldern haben solche Arten kaum Überlebenschancen. Dank der nachsichtigen Pflege und dem Stehenlassen vieler alter Eichen im Allschwiler Wald konnten sie sich hier halten.

Mattschwarzer Scheibenbock (Sarefo, CC BY-SA 4.0)
Mattschwarzer Scheibenbock (Foto Sarefo, CC BY-SA 4.0)
Bunter Eichenwidderbock (Siga, CC BY-SA 3)
Bunter Eichenwidderbock (Foto Siga, CC BY-SA 3)
Eichenzangenbock (Siga, CC BY-SA 3)
Eichenzangenbock (Foto Siga, CC BY-SA 3)

Bäche und Dohlenkrebs

Im Mühlibach und im Dorfbach existiert der seltene und bedrohte Dohlenkrebs. Erhebungen im Jahr 2022 lassen auf eine gesunde Population schliessen. Besiedelt sind der Dorfbach-Abschnitt auf der Höhe des Wegmattparks und der Mühlibach zwischen dem Dorfeingang und dem Schiessstand. Oberhalb des Schiesstandes ist der Bach weniger geeignet, es hat viele schlammige Bereiche und teilweise trocknet der Bach wohl auch aus. Oberhalb des Staudamms wäre der Bach prinzipiell wieder geeignet, eine natürliche Wiederbesiedelung ist aufgrund der fehlenden Längsvernetzung (Staudamm, Verbauungen) aber unwahrscheinlich.

Beide bewohnten Gewässerabschnitte sind durch längere eingedolte Abschnitte von anderen Fliessgewässern isoliert, dadurch ist auch in Zukunft das Einwandern invasiver Krebsarten und der Krebspest unwahrscheinlich. Diese sind die Hauptursache für den Rückgang des Dohlenkrebses in der Schweiz. Die Allschwiler Populationen dürften sowohl von der Grösse als auch von den günstigen Prognosen hinsichtlich Gefährdung durch die Krebspest auch über die Gemeinde hinaus bedeutend sein. Damit dies so bleibt, ist es absolut zentral, dass die Krebspest auch nicht unabsichtlich in die Bäche eingeschleppt wird: Auf keinen Fall sollte man mit noch nassen Stiefeln, Netzen oder Angelwerkzeug aus einem anderen Gewässer in die Bäche gehen oder Aquarienpflanzen o.ä. in die Bäche kippen!
Dohlenkrebs aus Allschwil (V. Klima)
Dohlenkrebs aus Allschwil (Foto V. Klima)

Obstwieseen

Im Offenland von Allschwil fallen die weitläufigen Obstwiesen mit teilweise beeindruckenden Hochstämmern auf, die einerseits wertvolle Kulturlandschaftsrelikte darstellen und anderseits einen wichtigen Lebensraum für den in der Gemeinde nach wie vor häufigen Gartenrotschwanz darstellen. Eine wichtige Rolle für die Lebensraumqualität spielen dabei neben den Obstwiesen und Waldrändern auch die zahlreichen, im Landwirtschaftsgebiet liegenden Parzellen, die als Privatgärten bewirt-schaftet werden. Hier finden sich nach wie vor dichte Baumbestände und kleinräumig unterschiedlich genutzte Bodenflächen. Sie tragen damit erheblich zur aktuellen Vielfalt an ökologisch wertvollen Strukturen im Offenland bei. In Zukunft dürfte diese Bedeutung sogar noch steigen: denn die Anzahl der Hochstämmer nimmt – wie in der gesamten Schweiz – leider auch in Allschwil nach wie vor ab. Alleine zwischen 2008 und 2018 sind über 700 Bäume verschwunden.
Luftbild Allschwil Strengi 2007
Luftbild Allschwil Strengi 2007 (Google Maps)
Luftbild Allschwil Strengi 2018
Luftbild Allschwil Strengi 2018

Bettenacker

Der «Naturgarten» auf dem Bettenackerareal in Allschwil

Die Gemeinde Allschwil hat vor ein paar Jahren die gemeindeeigenen Gebäude der Schulanlage Bettenacker zurückgebaut und für Natur, Mensch und Tier neue Freizeitmöglichkeiten geschaffen. In Mitten dieser neu geschaffenen Freizeitanlage wurde mit Lernenden der Gärtnermeister beider Basel ein Naturgarten erstellt.

Das ganze Bettenackerareal wurde grosszügig umgestaltet und zu einem Naherholungsort für jung und alt umfunktioniert. Seit Ende November 2019 hat die Gemeinde Allschwil nun auch noch einen neuen Naturgarten mitten in diesem Quartier. Dank der tatkräftigen Unterstützung der Gärtnermeister beider Basel und den Regiebetrieben Allschwil wurde mit wenigen Mitteln ein Naturgarten in der sehr vielseitigen Freizeitanlage geschaffen. Die Gärtnermeister beider Basel haben ihren zukünftigen Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtnern die Möglichkeit gegeben, ein Projekt zu realisieren, indem mit viel Feingefühl, Rücksicht auf den natürlichen Lebensraum von Kleintieren und Pflanzenarten geschenkt wird. Es handelt sich hierbei um verschiedene Naturmodule wie Wildbienenhäuser, Vogelnistkästen, Totholz-Stele, Wildobsthecke und einer Blumenwiese. Alle Module wurden aus natürlichen Materialien und einheimischen Pflanzen erstellt, welche unterschiedlichen Charakter aufweisen, um dadurch verschiedenen Bedürfnissen kleiner Lebewesen Beachtung zu schenken. Es ist faszinierend wie viele unzählige Insektenarten, Bienen, Vögel, Fledermäuse, Igel, Eichhörnchen, Mäuse in unserer unmittelbaren Umwelt existieren können, von denen auch unser Wohlbefinden im natürlichen Zyklus in irgendeiner Form abhängig ist.

Die Gemeinde sorgt mit solchen vielfältigen Flächen für den Erhalt und die Förderung der Biodiversität. Die Samen und Früchte werden durch Wind und Vögel in der Umgebung verteilt und können neue Flächen besiedeln.

Die Bevölkerung soll mit dem Erstellen dieses Naturgartens sensibilisiert werden, wie mit einem einfachen Umdenken und ohne grossen Aufwand viel zur Artenvielfallt in unserer Umgebung beigetragen werden kann.
Das ganze Areal ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie sind herzlich eingeladen, den entstandenen Naturgarten auf dem Bettenackerareal zu besuchen.
Übersichtsplan Bettenacker

Wegmattenpark

Allgemeines

2012 hat die Allschwiler Stimmbevölkerung mit der Annahme des „Masterplan Wegmatten“ den Weg geebnet für eine Aufwertung und Erweiterung des Wegmattenparks. Nach vielen erfolgreich gemeisterten Hürden konnte die Vision, an zentraler Lage einen neuen Ort der Begegnung und Erholung zu schaffen, in die Realität umgesetzt werden. Die Bauarbeiten in Allschwils grössten Park starteten im Juli 2019. Das vordere Drittel blieb wie bis anhin Park; allerdings erneuert und aufgewertet. Das zweite Drittel ist als langfristige Reservefläche für künftige Projekte vorgesehen; vorerst wurde dieser Teil aber ebenfalls als Teil der Parkanlage gestaltet. Entstanden sind im neuen Wegmattenpark unter anderem ein Pavillon, ein Grillplatz, ein Klettergerüst, ein Wasserspiel, ein öffentliches WC und eine Mehrzweckfläche, die unter anderem für Märkte oder Zirkusse genutzt werden kann. Eine Buvette verpflegt die Besucherinnen und Besucher des Parks. Der Park wurde im Juni 2021 komplett fertiggestellt.

Grünelemente

Parkbäume

Hochstämmige, heimische Parkbäume wie Eichen, Linden und Buchen sind Raumbildner und Schattenspender. Ein Baum verdunstet bis zu etwa 30 bis 40 Liter Wasser pro Tag und trägt zu einem angenehmen Stadtklima/Microklima bei. Sie schaffen räumliche Tiefe. Die Solitärgehölze stehen in lockeren Gruppen oder einzeln auf den Wiesen- und Rasenflächen. Diese Parkgehölze bilden das gestaltete Pendant zum Bachraum mit seiner naturnahen Gestaltung. Vor allem die Eiche hat eine enorme Bedeutung für die Artenvielfalt. An keiner anderer Baumart leben so viele verschiedene Insektenarten, insgesamt weit über 1000, darunter alleine über 400 Schmetterlinge und mehr als 50 Bockkäfer.
Schema «Baumsetzung – zwei Flanken»
Schema «Baumsetzung – zwei Flanken»

Naturnaher Parksaum

Mehrstämmige Arten wie Zitterpappel, Ebereschen und Schlehdorn bilden mit Unterholz aus heimischen, standortgerechten Arten einen lichten, abgestuften Saum zum Park hin. Der Charakter ist naturnah und wild. Die aus dem Bachraum erweiterte Gehölzstruktur formt einen ökologischen und naturnahen Lebensraum mit einheimischen Gehölzen entlang der Dammböschung und löst sich zur Ebene hin auf. Ein solcher gestaltete naturnahe Lebensraum soll nach der Entstehung einer weitgehend natürlichen Entwicklung überlassen werden und ist ein geeigneter Lebensraum für die Tiere für ihre Fortpflanzung, Futtersuche und Versteckmöglichkeiten.

Krautsaum

Der artenreiche und abgestufte Saum bietet Platz für Sukzession und ist ein artenreicher Lebensraum. Sie sind hochwachsend und dienen vielen Tieren, beispielsweise Stieglitz oder Nierenfleck-Zipfelfalter, als Aufenthaltsort, als Brutstätte und als Futtertisch. Der ökologische Wert der Anlage wird damit stark aufgewertet.
Schema «Krautsaum»
Schema «Krautsaum»

Wildstauden

Ein Band aus Wildstauden begleitet den Weg zwischen Wiese und Bachraum. Die farben- und formenreiche Pflanzenkomposition hat durch ihren Strukturreichtum eine hohe ökologische Qualität und ist als Zier-element attraktiv. Mit vielseitiger Saatmischung werden variierende Erscheinungsbilder erzeugt. Es entsteht als Abschluss der Wiesenflächen im Norden ein landschaftliches Vegetationsband und strukturreiches Parkelement. Es soll natürlich, bunt abwechslungsreich aussehen und erst noch viele Schmetterlinge anlocken. Das Wildblumenbeet ist ein Feuerwerk aus Formen, Farben und Düften.
Schema «Wildstaudenbeet»
Schema «Wildstaudenbeet»

Geophyten

Frühlingsblüher locken Passanten im Frühling in den Park und bilden den Auftakt zur wärmeren Jahreszeit mit einem schönen Erscheinungsbild zwischen März und April. Anstatt einem Frühlingsblüherband sind Geophytenflächen unter den Bäumen als grosse Kreise vorgesehen. Somit können die Kosten reduziert werden. Zudem ist der Standort unter Baumkronen ideal für Frühlingsblüher.
Schema «Geophyten»
Schema «Geophyten»

Rasenflächen

Die Lichtungen sind als Blumenrasen und Blumenwiesen angelegt, die je nach Nutzungsintensität unterschiedliche Erscheinungsbilder erhalten. Robuster Spielrasen wechselt sich ab mit Blumenrasen oder Wiese. Die gesamten Vegetationsflächen sind pflegeleicht und werden, abgesehen vom Intensiv- und Parkrasen, extensiv unterhalten.

Die stark genutzten Rasenflächen (zentrale Liegewiese, ums Wasserbecken und beim Spielplatz) werden mit einem robusten Universalrasen und die Randbereiche als Blumenrasen erstellt. Somit kann die Pflege reduziert werden.

Schema «Universal- und Blumenrasen»
Schema «Universal- und Blumenrasen»

Wiesenflächen

Die UFA-Wildblumenwiese Original CH-G ist eine Universal-Wildblumenwiese nach dem Vorbild der traditionellen Fromentalwiese. Das breite Artenspektrum reicht von feucht bis zu trocken. Die Blumenwiese passt sich somit unterschiedlichen Standortverhältnissen an. Sie enthält fast 50 verschiedene zwei- und mehrjährige Wiesenblumen und wunderschöne Wildgräserarten.
Schema «Rasen und Kräuterrasen»
Schema «Rasen und Kräuterrasen»

Bäume im Siedlungsraum – Linde Dorfplatz

Städte und Siedlungen sind Orte erstaunlich hoher Biodiversität, die mit derjenigen durchschnittlicher ländlicher Gebiete oder Waldlebensräume vergleichbar ist. Diese hohe Artenvielfalt ist nicht nur aus ökologischer Sicht von Bedeutung. Vielfältige Grün- und Freiräume in Siedlungsgebieten haben auch für die Lebensqualität der städtischen Bevölkerung eine wichtige Bedeutung.

Bäume spielen für die Biodiversität im Siedlungsraum eine Schlüsselrolle. Sie bieten Lebensraum und Nahrungsgrundlage für zahlreiche Organismen und erfüllen eine Vielzahl an Ökosystemleistungen. Sie erschließen Lebensraum in der dritten Dimension auch dort, wo der Boden bereits durch andere Nutzungen besetzt ist.

Stadtbäume wirken als

Klimaschützer und Sauerstofflieferant

Bäume sind hervorragende Klimaschützer: Sie produzieren Sauerstoff und verbrauchen dabei das Treibhausgas Kohlendioxid. So kann beispielsweise eine einziger ausgewachsener Baum Tag für Tag den Sauerstoff für bis zu 50 Menschen erzeugen – ohne Steckdose und völlig kostenlos noch dazu!

Grüne Klimaanlage

Laubbäume verdunsten an heißen Sommertagen bis zu 400 Liter Wasser und entziehen dabei der umgebenden Luft Wärme. Damit tragen sie im Sommer entscheidend zu einem angenehmen Stadtklima bei.

Luftfilter

Bäume verbessern vor allem in Stadtzentren und engen Straßen die Luftqualität entscheidend, denn sie filtern dank ihrer großen Blattoberflächen sowohl Fein- und Grobstaub als auch giftige Stickoxide aus der Luft und reduzieren damit die Konzentration gesundheitsschädlicher Stoffe in der Atemluft der Stadtbewohner. So tragen sie wesentlich zu einem gesünderen Wohnumfeld bei. Wo Bäume fehlen, kann der Schadstoffgehalt in der Stadtluft gleich dreimal höher liegen als in baumgesäumten Straßenzügen!

Schattenspender

Wenn mal wieder kein Wölkchen am Himmel und kein wohltuender Gewitterregen in Aussicht ist, beschatten vor allem grosskronige Laubbäume Asphaltflächen und benachbarte Hausfassaden und bremsen damit höchst wirksam deren weitere Aufheizung. Ein Laubbaum mit gerade einmal 15 Meter Kronendurchmesser kann dabei eine Fläche von 160 Quadratmetern mit seinem Schatten kühlen. Und: Wo Bäume ihren Schatten werfen, erscheint uns Menschen die Lufttemperatur gleich um mehrere Grad niedriger und damit viel weniger belastend als das Thermometer anzeigt!
Schema Stadtbaum

Die Linde am Dorfplatz

Mitten im Herz von Allschwil und oberhalb der bekannten Kirchentreppe am Dorfplatz steht diese grosse Sommerlinde (Tilia platyphyllos). Bereits von weitem ist dieser grosse Baum sichtbar. Innerhalb der Gemeinde Allschwil gibt es nur noch wenige solch grosser Exemplare. Die bekanntesten Linden in Allschwil stehen wohl am Lindenplatz.

Linde kulturgeschichtlich

Der Lindenbaum gilt als Freund der Menschen, symbolisch auch als Glücksbringer. Er war ursprünglich der Fruchtbarkeitsgöttin Frigga/Freya gewidmet. Erstaunlich ist aber, dass es kulturgeschichtlich bei der Linde stets um den Einzelbaum geht. Dies wird deutlich bei Begriffen aus dem Volksleben wie Dorflinde, Tanzlinde oder Gerichtslinde. Meist handelt es sich hierbei um die Winterlinde (Tilia cordata), gelegentlich aber auch um die Sommerlinde (Tilia platyphyllos). Es ist im historischen Dorfleben durchaus nachvollziehbar, wie sich das lärmende Treiben bei Dorffesten unter der Linde abgespielt hat. Da wurde unter der Dorflinde getanzt und die Musiker saßen auf einem Gerüst inmitten der Linde. Es war wohl auch ein Abheben aus der oft kärglichen Alltagswelt. Dieser blühende und schattenspende Lindenbaum war neben der Kirche zugleich der Mittelpunkt des Dorfes, ein kultureller Magnet im Dorfleben. Daran kann man erkennen, dass der Lindenbaum für die Menschen so etwas wie Heimat war und auch Geborgenheit gab.

Noch heute tragen sehr viele Gaststätten den Namen Linde. Hunderte Orte im deutschsprachigen Raum tragen in ihrem Namen das Wort Linde (der Name Leipzig z.B. kommt aus dem Slawischen Lipko und bedeutet Lindenort oder der Name Lindau ist aus dem alemannischen Lindou abgeleitet), ebenso eine große Zahl von Flurnamen, sogar Familiennamen (z. B. der schwedische Naturforscher Carl von Linné). Auch die langjährige Fernsehserie Lindenstrasse ist ein Beispiel für berührendes nachbarschaftliches Miteinander.

In der Literatur wird die Linde mit ihren herzförmigen Blättern gerne für verlässliche Liebesbekundungen, enge Freundschaftsbande oder tragische Leidenschaften poetisch verwendet. In zahlreichen Liedern, Gedichten, Romanen wird bekundet, wie die Linde für Liebe, Treue und Zuneigung steht.

Mit dem Erstarken des Adels im 18 Jahrhundert kommt der Alleebaum auf, meist an Auffahrten zu den repräsentativen herrschaftlichen Sommersitzen. Auch im Inneren der Gärten wurden Linden eingeplant, meist als geschnittene Bosketts (speziell, aufwendig gestaltete Gartenanlage) oder als Kulissen fürs Heckentheater. Und ab dem 19. Jahrhundert wird die Linde zunehmend als Stadtbaum für Straßen, Plätze und Parkanlagen verwendet. Bereits 1904 ist die Linde der meist verwendete Strassenbaum.

Mystisches um die Linde

Wie stark der Lindenbaum heimatkundlich verankert ist, lässt sich auch in der Märchen- und Sagenwelt nachweisen. Hier geht es meist um den Baum der Liebe und der Leidenschaft. Unter der Linde wurde auch Gericht gehalten, denn unter diesem Baum musste man die Wahrheit sagen. Daher gab es Bezeichnungen wie Gerichtslinde, Prangerlinde oder Streitlinde. Im Bestattungskult galt und gilt die Linde symbolisch als heiliger Baum und stand für Zeugnis von Märtyrertod.

Baum des Jahres 2016

Der Baum des Jahres 2016 ist zwar die faszinierende Winterlinde (Tilia cordata), von Interesse sind aber auch die Sommerlinde (Tilia platyphyllos), die Silberlinde (Tilia tomentosa) und die Henrys Linde (Tilia henryana), die bis in den September hinein blüht.

Die Linde ist ein Baum des Lebens, ihre Blüten, der Honig, die Blattknospen und Früchte sind Nahrungsmittel und therapeutisches Hausmittel, das in der Medizin und Kosmetik zum Einsatz kommt.

Bäume im Siedlungsraum – Ahorn Villa Guggenheim

Auswahl des Baumes

Bei der Baumartenwahl stehen heute gestalterische und planerische Kriterien, Standorte wie Straßen oder Grünanlagen und Standortbedingungen wie die Bodenbeschaffenheit oder die Exposition im Vordergrund. Auf Strassen- und Platzflächen sind trockenheit- und hitzeresistente Arten anzupflanzen. In den letzten Jahren wird vermehrt auf südländische Bäume gesetzt. Aus ökologischer Sicht hat nicht jeder Baum die gleiche Bedeutung für die Biodiversität. Eine Vielzahl von Faktoren bestimmt den ökologischen Wert eines Stadtbaumes: Art und Sorte, Standort, Bodenvolumen, Alter und Gesundheitszustand, Kronenvolumen, Schnitt und Pflege, Abstand zu Gebäuden, Exposition, Bodenbeschaffenheit und Bewuchs etc.

Schattenplatz und Klimamacher

In heissen Sommern heizen sich unsere Innenstädte stark auf. Es kommt zu Temperaturunterschieden von bis zu 7°C im Vergleich zum Umland. Stadtbäume mindern diesen Effekt durch den Schatten, den sie spenden, und das Wasser, das sie über das Laub verdunsten. Durch das Verdunsten wird an heißen Tagen der Luft Wärme entzogen. Auf diese Weise wird die Luft befeuchtet und das Stadtklima positiv beeinflusst.

Je mehr Bäume, Sträucher und anderes Grün eine Stadt zu bieten hat, desto höher die Wohn- und Aufenthaltsqualität. Bäume tragen für viele Menschen zu Entspannung und Wohlbefinden bei. Sie filtern Feinstaub und Schadstoffe aus der Luft und dämpfen Wind, Niederschlag und Straßenlärm. Damit wirken sie sich direkt positiv auf unserer Gesundheit aus.

In ihren Kronen, auf und unter ihrer Rinde bieten Bäume zahlreichen Vögeln und vor allem Insekten Unterschlupf und Nahrung. Für die Lebensgemeinschaften, die sich auf einem Stadtbaum ansiedeln ist es von großer Bedeutung, dass es sich um einheimische Gehölze handelt, da unsere Tierwelt an diese angepasst ist. Wo Bäume den Boden beschatten, schützen sie ihn vor Austrocknung. So bleibt er aufnahmefähig für Niederschläge und auch das Bodenleben wird geschützt. Wird ein Baum älter, entstehen Baumhöhlen sowie Risse und Spalten in und unter der Rinde. Diese Strukturen dienen Vögeln, Eichhörnchen und Fledermäusen als Brutstätte und Versteck. Auch von Gartenschläfern und Schmetterlingen werden Baumhöhlen gerne zum Überwintern genutzt. Gerade bei der Aussage, ein Baum müsse wegen Alter oder Krankheit gefällt werden, gilt es daher kritisch zu prüfen, ob er nicht durch gezielte Pflegemaßnahmen als wichtiges Biotop erhalten werden kann.

Ahorn Villa Guggenheim

Dieser Silberahorn (Acer saccharinum) prägt das Bild rund um die Post und der Villa Guggenheim seit bereits vielen Jahren. Mit seiner Grösse und vor allem seinen vier Stämmen ist er einer der eindrücklichsten Bäume im gesamtem Gemeindegebiet.

Wissenswertes über Ahorne

Ahorne sind, je nach Auffassung, mit 125-230 Spezies eine der artenreichsten Gehölzgattungen der nördlichen Hemisphäre. Sie kommen dort in allen gemässigten Klimazonen vor.
So vielfältig wie ihre Wuchsformen, so verschieden sind auch die Blätter ausgebildet. Diese können sich im Herbst von goldgelb bis leuchtend rot verfärben. Durch diese auffällige Verfärbung prägen die Ahorne ganze Waldbilder.

In der Garten- und Landschaftsgestaltung sind Ahorne unentbehrlich. Besonders die japanischen Arten erfreuen sich hier grosser Beliebtheit. Typische Vertreter sind Acer japonicum oder Acer palmatum, welcher mit einer grossen Sortenvielfallt begeistern.

Lieferant von Nutzholz und Sirup

Ahornholz ist nicht witterungsbeständig und wenig widerstandsfähig gegenüber holzzerstörenden Insekten. Als Holzlieferant von den in Europa heimischen Arten sind gegenwärtig nur der Berg-und Spitzahorn von Bedeutung. Sie liefern wertvolles Parkettholz. Das Holz des Feldahorns wird als Tischler und Drechslerholz sowie zur Herstellung von Spielwaren verwendet und geschätzt.

Ahornholz wird zudem für Möbel und Instrumentenbau verwendet. Aus dem Saft des Zuckerahorns kommt der berühmte kanadische Ahornsirup.

Silber-Ahorn

Der raschwüchsige Silber-Ahorn (auf lateinisch Acer saccharinum) kann wuchshöhen von 18-30m erreichen. Er baut mit aufstrebenden und abstehenden bis überhängenden Ästen eine 20-25m breite Krone auf. Die dünne Borke (Rinde) ist anfangs grau, später rötlichbraun, längs flach gefurcht und blättert in länglichen Streifen ab.

Die dünnen, 5-7 lappigen, meist bis zur Mitte eingeschnittenen Blätter sind 6-15 cm lang und etwa gleich breit. Die zugespitzten Lappen sind doppelt gesägt. Oberseits sind die Blätter hellgrün, unterseits silbergrau bis silberweiss und anfangs behaart. Sie färben sich im Herbst gelb.
Der Silberahorn ist im östlichen Nordamerika weitverbreitet. Er wächst bis auf ca. 600m Höhe oft in zeitweise überfluteten Flussauen. An See und Flussufern und tritt dort als dominante Baumart auf.

Der Silberahorn ist 1728 nach Europa eingeführt worden. Er ist mit seiner ausladenden Krone ein in Europa häufig gepflanzter, prächtiger Parkbaum, der am besten auf frischen bis feuchten, schwach sauren bis neutralen sandigen oder sandig-lehmigen Böden gedeiht. Als Stadtstrassenbaum ist er wegen seiner Brüchigkeit des Kronengerüsts wenig geeignet.

Grünfläche Verwaltung

Früher bestand die Fläche zwischen dem Gebäude der Gemeindeverwaltung und dem Trottoir Dürrenmattweg aus einer einfachen Schnittwiesenfläche, welche durch eine Weissdornhecke zum Trottoir hin abgetrennt war. Mehrmals im Jahr wurde die Wiese durch die Regiebetriebe Allschwil gemäht und ebenfalls die Hecke zurückgeschnitten. Ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere war diese Grünfläche definitiv nicht.

So entstand aus der Gruppe Umwelt (Abteilung Entwickeln Planen Bauen) die Idee zur Aufwertung dieser Grünfläche. Es sollte eine kleine Grün-Oase entstehen, welche für Pflanzen und Tiere einen wertvollen Lebensraum bildet und den Passantinnen und Passanten etwas fürs Auge bietet. In Zusammenarbeit mit der Gärtnergruppe der Regiebetriebe wurde das Projekt gestartet und anschliessend durch die Regiebetriebe selbst umgesetzt.

In der Wiesenfläche wurde eine Rabatte angelegt, welche sich so natürlich wie möglich an die bereits bestehende Wiesenfläche anbinden soll. Die bestehende Grasnarbe der Wiese wurde entfernt und in die neu angelegte Rabatte wurden Blumenstauden wie Schafgarbe, Steinquendel sowie Wollziest und Oregano gepflanzt. Der bestehende Boden an diesem Standort ist mager und nicht von hoher Qualität, bereits nach ca. 10 cm Humusschicht folgt steiniger Untergrund. Doch gerade wegen dieser Verhältnisse gedeiht ein schönes Blumenmeer, welches einer Vielzahl von Insekten Schutz und Nahrungsquelle bietet.

Von Zeit zu Zeit wandern die verschiedenen Wiesenblumen in die neu angelegte Rabatte und lassen so die Grenzen der verschiedenen Lebensräume etwas verschwinden. Dies bedeutet, dass man von Zeit zu Zeit die Pflanzen etwas dezimieren muss, da diese sonst überhandnehmen. Dies betrifft besonders den Wiesensalbei (Salvia pratensis), welcher sich ohne weitere Probleme überall ansiedelt und die gepflanzten Stauden in der Rabatte verdrängen kann. Die Wiese wird nun deutlich weniger gemäht, wodurch seltene Wiesenpflanzen gefördert werden.

Um die Fläche mit etwas grösseren Elementen zu ergänzen wurden Sträucher in die bestehende Wiese gepflanzt. So finden sich neben Felsenbirnen auch Perovskien und einige Sanddorne sowie ein Mönchspfeffer, eine Hechtrose sowie eine Heckenrose (Hagenbutte) in der Grünfläche wieder. Ergänzend wurden noch «Insektenhotels» aufgestellt, um den Bienen eine Nistmöglichkeit zu bieten.

So wurde mit wenigen aber gezielten Massnahmen ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen.

Naturschutzgebiet «Sporn»

Das Naturschutzgebiet Sporn ist geprägt von starken Gegensätzen: Belebte Tümpel und Weiher stehen inmitten von trockenen Kieshügeln. Das Gebiet ragt bis ins Siedlungsgebiet.

Mosaik der Gegensätze: Biotopvielfalt in der ehemaligen Tongrube
Kaum ein anderes Gebiet in Allschwil vereint auf so engem Raum derart unterschiedliche Le-bensräume wie die ehemalige Tongrube der Ziegelei. Rund um einen grossen Hauptweiher verteilen sich zahlreiche kleinere Weiher und Tümpel, durchsetzt von offenen Kiesflächen, bunten Wiesen und einer artenreichen, vielfältig strukturierten Hecke, die das Gebiet abschliesst. Grosse Einzelbäume wie Silberpappeln, Weiden und Birken sowie einzelne Trockenmauern ergänzen das Mosaik. Gerade dieses Nebeneinander von trockenwarmen und feuchten, offenen und dicht bewachsenen Teilbereichen macht das Gebiet zu einem der artenreichsten (Naturschutz-)Gebiete der Gemeinde.

Pioniere auf Kies und Schotter
Die offenen, kargen Kiesflächen mögen auf den ersten Blick unscheinbar wirken, beherbergen aber Spezialisten der Halbtrockenstandorte. Die Zypressen-Wolfsmilch, erkennbar an ihren feinen, nadelartigen Blättern, und der Natternkopf mit seinen leuchtend blauvioletten Blüten gedeihen nur dort, wo der Boden mager und wasserdurchlässig bleibt – auf nährstoffreicheren Wiesen hätten sie gegen konkurrenzstärkere Pflanzen keine Chance. Solche Pionierstandorte sind in der intensiv genutzten Kulturlandschaft selten geworden und daher besonders wertvoll. In einer natürlichen Flusslandschaft sorgten früher Hochwasser regelmässig für Dynamik: Sie rissen Vegetation weg, verlagerten Kies und schufen immer wieder neue, offene Rohbodenstellen – genau den Lebensraum für diese Pionierarten. Weil die meisten Flüsse und Bäche heute begradigt, verbaut und reguliert sind, fehlt diese natürliche Störungsdynamik der Auenlandschaften weitgehend. Ohne Hochwasser gibt es kaum mehr neue Rohbodenstandorte, und ungestörte Kleingewässer verlanden und verbuschen mit der Zeit von selbst.

Pflegeeingriffe notwendig
Das ehemalige Tonabbaugebiet übernimmt heute die Funktion, die einst die Aue erfüllte: Es dient als Ersatzstandort für jene Pionierarten, die in der übrigen Landschaft kaum mehr geeignete Lebensräume finden. Damit dieser Ersatzlebensraum seine Funktion behält, sind aber periodische Pflegeeingriffe unerlässlich – das Ausbaggern verlandeter Tümpel, das Freistellen zugewachsener Kiesflächen oder das Zurückdrängen von Gehölzen simulieren künstlich jene Dynamik, die in der freien Natur früher das Hochwasser besorgte. Ohne diese regelmässigen Eingriffe würde das Gebiet innert weniger Jahre zuwachsen und die seltenen Pionierarten verschwänden wieder.

Hotspot für Amphibien
Bergmolch, Fadenmolch, Erdkröte, Grasfrosch sowie die drei gefährdeten Pionierarten Ge-burtshelferkröte, Gelbbauchunke und Kreuzkröte kommen hier vor. Besonders hervorzuheben sind die grossen Populationen von Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte – zwei Arten, die auf genau jene Mosaikstruktur aus vegetationsarmen, sich rasch erwärmenden Kleingewäs-sern und deckungsreichen Landlebensräumen angewiesen sind, wie sie in ehemaligen Abbau-gebieten typischerweise entstehen. Die Bestände werden regelmässig im Rahmen des kanto-nalen Monitorings der IANB-Objekte (Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung) erfasst.

Ein unerwünschter Fund: der italienische Kammmolch
Neben den einheimischen Arten wurde im Gebiet auch der italienische Kammmolch nachgewiesen – eine Art, die ursprünglich nicht in der Region beheimatet ist und vermutlich ausgesetzt wurde. Solche gebietsfremden Arten stellen ein Problem für die heimischen Amphibien dar, da sie mit ihnen um Lebensraum und Nahrung konkurrieren oder Krankheitserreger ein-schleppen können. Das Vorkommen des Italienischen Kammmolchs unterstreicht, wie wichtig es ist, keine gebietsfremden Tiere in Gewässern auszusetzen – auch gut gemeinte «Freilas-sungen» können einheimischen Ökosystemen schaden.

Die ehemalige Tongrube zeigt eindrücklich, welches Potenzial in Abbaugebieten für den Natur-schutz steckt: Wo einst Ton gestochen wurde, ist heute ein wertvolles Amphibien- und Pflanzengebiet entstanden, welches dank Pflegeeingriffen erhalten wird.

Bilder/Bildlegenden

01_01_a_Geburtshelferkröte
Geburtshelferkröte: Bei der Geburtshelferkröte übernimmt das Männchen die Eicher vom Weibchen und trägt sie für einige Wochen mit sich. Erst wenn sich die Kaulquapen schon weit entwickelt haben, sucht es ein Gewässer auf und lässt die Jungen ins Wasser.
01_01_b_Fadenmolch
Fadenmolch: Beim Fadenmolch haben Männchen ein fadenförmiges Schwanzende, welches für den Namen verantwortlich ist. Die auffälligen Schwimmhäute an den Hinterfüssen haben sie nur im Frühling. Später wenn die den Weiher verlassen, würden sie nämlich stören.

Naturschutzgebiet «Geologisches Denkmal»

Das «Geologische Denkmal», am Rande der neuen Wohnsiedlung in der alten Tongrube, ist ein wertvolles Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen. Erleben Sie hier ein Stück Allschwiler Natur- und Kulturgeschichte in nächster Nähe zum Dorf.

Von der Tongrube zum Amphibienparadies
Wo heute Weiher, Tümpel und Hecken ein wertvolles Naturschutzgebiet bilden, wurde bis 1975 Ton abgebaut. Der Rohstoff für die Allschwiler Ziegeleien lagerte hier in Form des soge-nannten Blauen Letten, einer feinkörnigen Tonschicht, die sich vor rund 30 Millionen Jahren abgesetzt hatte. Über Jahrzehnte prägte der Ziegeleibetrieb das Gebiet – bis mit dem Ende des Tonabbaus die Natur den ehemaligen Abbauort zurückeroberte und daraus eines der wertvolls-ten Amphibiengebiete des Kantons Basel-Landschaft entstand.

Ein geologisches Profil zum Erleben
Der ehemalige Tonabbau legte ein eindrückliches geologisches Profil frei, das die Erdge-schichte der letzten Jahrmillionen sichtbar macht. Über dem Blauen Letten liegt der Jüngere Deckenschotter, eine bis zu fünf Meter mächtige Schicht aus verfestigtem Nagelfluh-Konglomerat, die einst von Alpen und Schwarzwald hierher transportiert wurden. Darüber folgt eine mehrere Meter, stellenweise bis zu 9 Meter mächtige Löss- bzw. Lösslehmschicht – feins-ter, vom Wind angewehter Staub aus mehreren Eiszeiten. Dank der Errichtung einer Block-Schuttböschung am Rande konnte das geologische Profil erhalten werden. Damit erzählt es auch heute noch die Geschichte der Region über mehrere Millionen Jahre.

Vielfältiger Lebensraum
Das Gebiet der ehemaligen Tongrube auf dem Ziegelei-Areal umfasst heute unterschiedlichste Lebensräume: Ein grosser Weiher und mehrere kleine Tümpel wechseln sich mit Hecken, Feldgehölzen und offenen Pionierflächen ab. Die Weiher werden von hoch gewachsenen Wei-den gesäumt, dazu kommt eine teils dichte, krautige Ufervegetation. Auch gefährdete Arten wie die Zypergras-Segge, die auf naturnahe Feuchtstandorte angewiesen ist und in der Schweiz als vom Aussterben bedroht gilt, kommen vor.

Verbuschung bedroht Vielfalt
Ohne regelmässige Pflege verbuschen offene, magere Standorte innert weniger Jahre: Brom-beeren, Sträucher und schnellwüchsige Gehölze breiten sich aus, beschatten den Boden und verdrängen die lichtliebenden Pionierarten, die auf offene Rohbodenstellen angewiesen sind. Ein Beispiel dafür sind zwei in der Schweiz vom Aussterben bedrohte Moose der Gattung Aloi-na, die 1990 im Gebiet nachgewiesen werden konnten. Sie besiedeln ausschliesslich vegetati-onsfreie, kalkreiche Rohböden in voller Sonnenexposition – fortschreitende Verbuschung führt dazu, dass ihr Lebensraum verschwindet. Eine Nachsuche im Jahr 2025 zeigte, dass zumin-dest eine der beiden Arten noch vorkommt.

Ziegen und Schafe als Landschaftspfleger
Um der Verbuschung entgegenzuwirken, setzt der Naturschutz zunehmend auf einen vierbei-nigen Helfer: die Ziege. Als genügsame und äusserst vielseitige Pflanzenfresser verschmähen Ziegen selbst dornige Sträucher, junge Gehölztriebe und Brombeerranken nicht – Pflanzen, die Rinder oder Schafe meiden. Durch gezielte, zeitlich begrenzte Beweidung halten sie aufkom-mende Gehölze klein und verhindern, dass sich Büsche zu dichten Dickichten entwickeln. Im Gegensatz zu schwerem Pflegegerät verdichten Ziegen den Boden kaum und schaffen durch ihren Tritt zusätzlich kleine offene Bodenstellen – ideale Ansatzpunkte für genau jene Pionier-pflanzen und -moose, die auf Rohboden angewiesen sind. So wird aus einer alten landwirt-schaftlichen Nutzungsform ein wirkungsvolles und zugleich naturnahes Instrument der moder-nen Landschaftspflege. Im Naturschutzgebiet finden jährlich 1–2 kurze Beweidungen von jeweils einigen Wochen statt.

Ein Amphibienparadies von nationaler Bedeutung
Die durch den Tonabbau entstandenen Weiher und Tümpel haben sich zu einem eigentlichen Amphibien-Hotspot entwickelt. Gleich fünf Arten, welche auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, sind im Gebiet zu Hause. Hinzu kommen drei weitere einheimische Amphibien-arten. Aufgrund dieser aussergewöhnlichen Vielfalt gehört das Naturschutzgebiet «Geologi-sches Denkmal» zum Objekt «Ziegelei Allschwil» des Bundesinventars der Amphibienlaichge-biete von nationaler Bedeutung (IANB) der Schweiz. Die Amphibien-Bestände werden regel-mässig im Rahmen des kantonalen IANB-Monitorings erfasst und überwacht.

Bilder/Bildlegenden

01_02_a_Gelbbauchunke
Gelbbauchunke: Wird sie bedroht, zeigt die Gelbbauchunke ihre leuchtend gelb-schwarz ge-fleckte Bauchseite als Warnsignal – ein Bluff, der Fressfeinde abschrecken soll. Sie besiedelt bevorzugt vegetationsarme, sich schnell erwärmende Pfützen und Tümpel, wie sie typischer-weise in ehemaligen Abbaugebieten entstehen.
01_02_b_Geburtshelferkröte
Geburtshelferkröte: Bei der Geburtshelferkröte übernimmt das Männchen die Brutpflege: Es wickelt sich die befruchteten Eischnüre um die Hinterbeine und trägt sie wochenlang mit sich herum, bis die Larven schlupfreif sind. Ihr feines, glockenähnliches Rufen hat ihr auch den «Glögglifrosch» (auf Mundart) eingebracht.
01_02_c_Kreuzkröte
Kreuzkröte: Die Kreuzkröte ist erkennbar an der auffälligen, gelben Rückenlinie. Sie liebt ve-getationsarme, lockere Böden und flache, oft nur temporäre Pfützen, wie sie in Kies- und Ton-gruben entstehen. Dank ihrer grossen Schallblase sind ihre Rufe nachts sehr weit hörbar.

Nationales Laichgebiet

2001 wurde die Ziegelei Allschwil in das Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen. Die Weiher und Tümpel des früheren Tonabbaus zur Ziegelherstellung hat seltene und gefährdetet Amphibienarten an diesen Ort gelockt.

Amphibienparadies
Insgesamt kommen acht der 12 Amphibienarten aus der Region Basel (und der 18 Amphi-bienarten der Schweiz) im Gebiet Ziegelei vor: Bergmolch, Erdkröte, Geburtshelferkröte, Gelbbauchunke, Grasfrosch, Wasserfrosch-Komplex, Fadenmolch und Kreuzkröte. Fünf davon stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der Schweiz.

Amphibiensterben in der Schweiz
Die Lebensraumzerstörung mit einem Verlust an Feuchtgebieten bzw. Laichgewässern in der Schweiz ist Hauptverantwortlich für den Rückgang und die Gefährdung der Amphibien. Mehr als 90% der Feuchtgebiete gingen in der Schweiz zwischen 1850 und 2000 verloren, und mit ihnen viele Amphibienpopulationen. Selbst in den letzten 30 Jahren verschwand bei gewissen Amphibienarten die Hälfte der Populationen in der Schweiz. Für die Amphibienbestände auf dem Gebiet der Ziegelei konnte ein ähnliches Schicksal trotz der teilweisen Überbauung abgewendet werden. Frühzeitig wurden ausreichend grosse Bereiche als Naturschutzgebiet ausgeschieden, streng geschützt und zusätzlich aufgewertet. Damit sollten die Flächenverluste ausgeglichen werden.

Tunnel für die Amphibien
Die bedeutendsten Bereiche für Amphibien innerhalb Amphibienlaichgebiets von nationaler Bedeutung bestehen aus den Naturschutzgebieten «Geologisches Denkmal» und «Sporn». Kleinere Gewässer zwischen den Häusern gehören ebenfalls dazu. Diese Tümpel wurden angelegt, damit die Amphibien zwischen den Häusern hindurchlaufen können. Ergänzend wurden unter den Strassen an den entsprechenden Stellen Mini-Tunnels für die Amphibien und andere Kleintiere errichtet, damit diese gefahrlos die Strasse (unter-)queren können. Leitmauern führen die Tiere zu diesen Tunnels. Ausserdem wurde um die Überbauung eine 50 cm hohe Mauer errichtet und auf der Strasse bei den Siedlungseinfahrten jeweils Stopprinnen, damit die Amphibien sich nicht in die Überbauung verirren, wo sie nur wenig geeigneten Lebensraum vorfänden. Alle diese Strukturen, aber auch die verbliebenen Lebensräume müssen langfristig in einem sehr guten Zustand erhalten werden. Nur so können hier Frösche, Kröten und Molche weiterhin neben den Menschen vorkommen.

Die Ziegelei

Zwei grosse Fabriken produzierten hier bis 1975 Backsteine, Dachziegel und Kaminsteine. Sie waren die bedeutendsten Arbeitgeber in Allschwil.

Die Geschichte der Allschwiler Ziegeleien
Schon vor über 500 Jahren wurde auf der Allschwiler Höhe Lehm – im lokalen Dialekt «Lett» – abgebaut. Der Name ist bis heute im Gebiet «Im Letten» erhalten geblieben und erinnert an eine Tradition, die weit vor der eigentlichen Industrialisierung begann. Bereits zur Römerzeit hatten Ziegelbrennerei und Töpferhandwerk in der Region Basel grosse Bedeutung, und über Jahrhunderte stellten zahlreiche kleine Ziegelhütten Backsteine und Dachziegel für den lokalen Bedarf her.

Von der Ziegelhütte zur Fabrik
Mit der Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert veränderte sich die Produktion grundlegend. 1879 gründeten H. Iselin jun. und H.F. Passavant in Allschwil die Firma Passavant-Iselin & Cie AG und begannen mit der mechanisierten Herstellung von Backsteinen und Ziegeln. Sie revolutionierten die Ziegelproduktion mit den ersten dampfbetriebenen Maschinen. Das Unternehmen wuchs rasch zum grössten Ziegeleibetrieb der Region. 1897 folgte mit der «Mechanischen Ziegelei Allschwil F. Rothpletz» – später umfirmiert zur Aktienziegelei Allschwil (AZA) – ein weiterer bedeutender Betrieb. Die vielen kleinen, traditionellen Ziegelhütten wurden damit zunehmend von zwei grossen, mechanisierten Fabriken abgelöst.

Schneckenpresse als Motor der Massenproduktion
Herzstück der neuen Fabriken war die Schneckenpresse: Eine grosse, dampfbetriebene Förderschnecke presste den aufbereiteten Lehm kontinuierlich durch eine Mundstück-Öffnung und formte ihn zu einem endlosen, gleichmässigen Strang – ähnlich wie bei einem überdimensionierten Fleischwolf. Dieser Strang wurde anschliessend mit Drahtbögen in exakt gleich grosse Rohlinge geschnitten. Was zuvor in mühsamer Handarbeit Stein für Stein in Holzformen gestampft wurde, liess sich mit der Schneckenpresse in einem ununterbrochenen Arbeitsgang und in bis dahin unerreichter Geschwindigkeit herstellen. Diese Mechanisierung war die Voraussetzung dafür, dass die Ziegeleien überhaupt in der später erreichten Grössenordnung produzieren und Basel im grossen Stil mit Baumaterial versorgen konnten.

Zwei Fabriken prägen das Dorf
Viele Basler Häuser aus dem 19. Jahrhundert wurden mit Backsteinen und Ziegeln aus Allschwil erbaut. In ihrer Blütezeit produzierten die beiden Ziegelfabriken in den 1930er Jahren jährlich 40 Millionen Backsteine und Dachziegel. Die Ziegeleien waren weit mehr als reine Produktionsstätten – sie waren der Beleg dafür, dass sich Allschwil von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einer städtisch-industriellen Siedlung wandelte. Zusammen mit der ortsansässigen Schuhfabrik boten die Ziegeleien vielen Allschwilerinnen und Allschwilern über Generationen hinweg Arbeit und Auskommen. In den beiden Ziegelfabriken arbeiteten bis zu 700 Menschen, was damals beinahe 20% der gesamten Bevölkerung Allschwils entsprach.

Das Ende einer Ära
Anfangs der 1970er Jahre gingen die Absatzzahlen der Ziegeleien stark zurück. 1975 stellte die Ziegelei Passavant-Iselin nach knapp 100-jähriger Tätigkeit ihren Betrieb endgültig ein – auch die letzten anderen Ziegeleien im Gebiet verschwanden in dieser Zeit.


Vom Tonabbau zur Naturjuwel
Der Ton für die Ziegelproduktion wurde in offenen Gruben abgebaut – Schicht für Schicht gruben sich Bagger und Handarbeiter über Jahrzehnte immer weiter in die Allschwiler Höhe. Der begehrte Rohstoff für die Ziegelproduktion war in erster Linie der sogenannte Blaue Letten (auch Septarienton genannt), eine feinkörnige, äusserst plastische Tonschicht, die sich vor rund 30 Millionen Jahren im Oligozän in einem Meeresarm im Rheingraben abgelagert hatte. Seine feine Körnung und hohe Plastizität machten ihn ideal formbar – eine wichtige Voraussetzung für die maschinelle Ziegelproduktion. Ergänzend nutzten die Ziegeleien auch die darüberliegende, mehrere Meter mächtige Lösslehmschicht. Dabei handelt es sich um einen feinen, während der Eiszeiten vom Wind abgelagerten Staub, der ebenfalls zu Backsteinen und Dachziegeln verarbeitet werden konnte. Um an diese Tonschichten heranzukommen, mussten die darüberliegenden Schichten – insbesondere der grobe, steinreiche Jüngere Deckenschotter – zunächst abgetragen werden, was den Abbau entsprechend aufwendig machte.

Nach dem Tonabbau blieb eine 40 Meter tiefe Grube zurück, welche schrittweise aufgefüllt wurde. Dadurch entstand ein unregelmässiges, kleinräumiges Geländerelief mit Mulden, Senken und Abbaukanten, ganz anders als die ursprüngliche Landschaft. Die tiefsten Stellen füllten sich mit Wasser und es entstanden nach und nach Weiher und Tümpel unterschiedlichster Grösse und Tiefe. Weil diese Gewässer zunächst weitgehend sich selbst überlassen blieben, konnten sich hier Pionierarten ansiedeln, die auf vegetationsarme, unbeständige Kleingewässer angewiesen sind – darunter seltene und stark gefährdete Amphibien wie Geburtshelferkröte, Gelbbauchunke und Kreuzkröte. Aus einer rein industriellen Abbaufläche wurde so im Lauf der Zeit eines der wertvollsten Amphibiengebiete der Region. Während ein Teil des Gebiets überbaut wurde, konnten zwei Teile als Naturschutzgebiete erhalten werden: das Gebiet «Geologisches Denkmal» und das Gebiet «Sporn».

Ein neues Kapitel
Auch wenn die Ziegelproduktion längst Geschichte ist, bleibt das Erbe der Industrieepoche in Allschwil sichtbar. Historische Bauten wie die alten Pförtnerhäuser und Teile der Fabrikhallen sollen bei der anstehenden Quartierentwicklung erhalten bleiben und als bauliche Zeitzeugen weiterleben – während rundherum ein neues, durchmischtes Quartier mit Wohn- und Gewerberaum sowie grosszügigen Grünflächen entsteht. So bleibt die einstige Industriegeschichte Teil der Identität Allschwils.

Staudamm Mülital

Überschwemmungen in Allschwil
Mehrere Überschwemmungen in den 1990er Jahren verursachten in Allschwil Schäden in Millionenhöhe. Grund für die Überschwemmungen und hohen Schäden sind die eingedolten Bäche in Allschwil, welche bei Starkniederschlag nicht genügend Wasser abführen können. Als Reaktion darauf begann die Planung des Hochwasserdamms im Mülital. Dieser Damm sollte als Rückhaltebecken zum Schutz vor Überschwemmungen durch den Mülibach dienen. Der Hochwasserdamm wurde so konstruiert, dass er die Wassermengen eines 100-jährigen Hochwassers des Mülibachs zurückhalten kann und maximal 1.5 m3/s in den Mülibach abgibt. Damit sollte das Fassungsvermögen des eingedolten Bachs weiter unten in Allschwil nicht mehr überschritten werden. Der mittlere Abfluss des Mülibachs beträgt 0.06 m3/s. Damit bräuchte er ca. 3.3 Sekunden, um eine Badewanne zu füllen. Mit diesem Abfluss entspricht der Mühlibach also die allermeiste Zeit einem gemächlich fliessenden, harmlosen Bächlein. Bei einem 100-Jährigen Hochwasser beträgt der Zufluss aber bis zu 16 m3/s, was pro Sekunde beinahe 100 Badewannen füllen würde. Einfach vorstellbar, dass es sich dabei um einen ganz anderen Bach handelt, der zu grossen Verwüstungen führen kann. 2007 wurde der Damm fertiggestellt. Breits ein Jahr darauf hielt er erfolgreich ein erstes Hochwasser auf.


Hochwasserdamm Mülital
Der Damm ist maximal zehn Meter hoch, 225 Meter lang und verfügt über ein Rückhaltebecken von 200'000 m3, was in etwa 80 gefüllten Olympia-Schwimmbecken (oder ca. einer Million gefüllter Badewannen) entspricht. Dabei würde der See eine Fläche von ca. 60'000 m2 (oder 8-9 Fussballfelder) bedecken. Der Erddamm selbst besteht aus einem wasserdichten Kern und einer Aufschüttung aus Lösslehm, Kies und Sand.

Ein Damm als Naturperle von Allschwil
Hochwasserschutz und Trockenwiese – was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch klingt, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Der Damm beherbergt eine der wertvollsten und artenreichsten Trockenwiesen der Gemeinde. Diese stammt aus einer gezielten Ansaat mit Arten, die typisch sind für trockenwarme Bedingungen auf wasserdurchlässigem, nährstoffarmem Substrat.

Die Artenvielfalt und das Blütenangebot sind ausserordentlich gross: Hufeisenklee, Wundklee, Wiesen-Salbei, Saat-Esparsette, Feld-Witwenblume, Thymian, Sonnenröschen, Skabiose, Skabiosen-Flockenblume, Nickendes Leinkraut und Pyramiden-Kammschmiele wachsen hier auf engem Raum nebeneinander. Auch die Mauereidechsen profitieren von der sonnendurchfluteten Wiese. Mit dem Zwergbläuling und dem Himmelblauen Bläuling wurden in der Trockenwiese auf dem Hochwasserdamm gleich zwei Schmetterlingsarten erstmals in Allschwil nachgewiesen.

Bedrohte Schönheit
Trockenwiesen (und -weiden), wie jene auf dem Hochwasserdamm, gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas – und gleichzeitig zu den am stärksten gefährdeten. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden über 95 % der ursprünglichen Trockenwiesenflächen in der Schweiz zerstört durch Düngung, Überbauung oder durch das Ausbleiben der traditionellen, extensiven Nutzung. Ohne regelmässiges Mähen oder Beweiden verbuschen diese Flächen und verlieren rasch ihren ökologischen Wert.

Vielfalt durch Kargheit
Trockenwiesen verdanken ihren Artenreichtum paradoxerweise ihrer Kargheit: Auf nährstoffarmem Boden können konkurrenzstarke, schnellwüchsige Pflanzen nicht dominieren. Das schafft Raum für eine Vielzahl spezialisierter Arten, die anderswo keine Chance hätten. Diese Blütenvielfalt wiederum ist die Lebensgrundlage für eine ausserordentliche Zahl an Insekten – von Wildbienen über Tagfalter bis zu Heuschrecken – und damit auch für die Tiere, die sich von ihnen ernähren, wie Reptilien und Vögel. Trockenwiesen zählen deshalb zu den wichtigsten Hotspots der Artenvielfalt und sind gesetzlich als Biotope von nationaler Bedeutung geschützt.

Dass ausgerechnet ein Hochwasserschutzbauwerk zu einem solchen Rückzugsort werden konnte, zeigt eindrücklich, wie viel Potenzial auch technische Infrastruktur für den Naturschutz bergen kann – und macht den Damm am Mülibach zu einer Naturperle in Allschwil.

Bilder/Bildlegenden

Staudamm Wiese
Hochwasserdamm (seitlich, mit Blüten im Bild): Der Damm, der Allschwil vor Hochwasser schützt, ist gleichzeitig ein Blütenmeer für Wildbienen und Schmetterlinge. Auf dem kargen Boden gedeiht eine der artenreichsten Trockenwiesen der Gemeinde.
02_01_b_Hochwasser Allschwil
Hochwasser Allschwil: Mai 1994
02_01_c_Hochwasser Allschwil
Hochwasser Allschwil: Mai 1994
02_01_d_Hochwasserdamm
Hochwasserdamm: Blick hinter den Damm
02_01_e_Hochwasserdamm
Hochwasserdamm: Blick Damm vorne

Mühleweiher: Lebensraum Wasser

Reservoir für die Mühle
Mitten im Siedlungsraum liegt der Mühleweiher. Dieser wurde vor über 400 Jahren angelegt, um die Getreidemühle auch bei wenig Wasser in Trockenperioden betreiben zu können. Heute wird der Weiher durch Quellwasser gespeist. Im Sommerhalbjahr gedeihen verschiedene Wasserpflanzen wie der Wasserstern und das Schwimmende Laichkraut. Tausende Insekten schlüpfen aus dem Weiher und bilden eine wichtige Nahrungsgrundlage für das Ökosystem. In und um den Weiher kommt die Ringelnatter vor, Karpfen und Stichlinge schwimmen durch den Weiher.

Die Krux mit den Fischen
Der Fischbestand kann aus Sicht des Amphibienschutzes ein Problem darstellen. Fische wie Karpfen fressen Laich, Kaulquappen und selbst frisch entwickelte Jungtiere von Fröschen, Kröten und Molchen. Insbesondere in kleinen, stehenden Gewässern, wie dem Mühleweiher, kann ein grosser Fischbestand den Fortpflanzungserfolg von Amphibien massiv einschränken oder sogar ganz verunmöglichen. Die Amphibien legen teilweise Laich ab, doch dieser wird noch vor dem Schlüpfen oder kurz danach von den Fischen weggefressen. Die meisten unserer Amphibien haben sich daher auf fischfreie oder zumindest fischarme Kleingewässer spezialisiert. Sie haben keine wirksame Verteidigungsstrategien gegen die im Wasser lebenden Räuber. Deshalb fehlen im Mühleweiher Amphibien weitgehend. Dennoch dürfen die Fische hierbleiben. Glücklicherweise hat es in der Gemeinde nämlich andernorts eine Vielzahl an kleinen Weihern und Tümpeln ohne Fische und dafür mit vielen Amphibien! Besonders wertvoll sind die Naturschutzgebiete «Sporn», «Geologisches Denkmal» und das Mühlibachtal.

Wasserpflanzen
Wasserstern und Schwimmendes Laichkraut sind typische Wasserpflanzen, welche sich an das Leben im Wasser angepasst haben. Da Wasser rund 800-mal dichter ist als Luft, brauchen sie kein starres Stützgewebe – ihre Stängel sind weich und biegsam und lassen sich von der Strömung tragen. Diese Pflanzen sind weit mehr als Zierde: Sie produzieren tagsüber Sauerstoff, bieten Fischen und anderen Tieren Deckung und Laichsubstrat und sind Lebensgrundlage für zahlreiche wirbellose Wasserbewohner.

Wenn die Luft im Wasser knapp wird
Der lebenswichtige Sauerstoff ist oft knapp im Wasser: Im Vergleich zur Luft kann Wasser nur einen Bruchteil an Sauerstoff lösen. Im Wasser lebende Tiere müssen daher mit weniger Sauerstoff zum Atmen auskommen als Landbewohner. Der Sauerstoffmangel verstärkt sich bei steigenden Temperaturen, da wärmeres Wasser weniger gasförmigen Sauerstoff lösen kann. Dies wird insbesondere in Zeiten des Klimawandels ein Problem für Fische, welche bei zu hohen Temperaturen aufgrund des Sauerstoffmangels zu ersticken drohen. Manche Insekten haben deshalb clevere Strategien entwickelt, um im Wasser mehr Sauerstoff zu erhalten. Rückenschwimmer tragen an ihrem Hinterleib eine Luftblase mit sich wie eine winzige Taucherflasche – und müssen dafür regelmässig an die Oberfläche, um die Luftblase zu erneuern.

Treffpunkt von für Insekten(fresser)
Wer an einem warmen Frühlings- oder Sommerabend am Mühleweiher unterwegs ist, bemerkt oft zahlreiche Insekten über der Wasseroberfläche. Das ist kein Zufall, sondern ein Zeichen für ein funktionierendes Ökosystem. Viele Insekten verbringen einen Teil ihres Lebens im Wasser. Libellen, Mücken, Zuckmücken, Köcherfliegen und Eintagsfliegen entwickeln sich als Larven im Weiher, bevor sie als flugfähige Insekten schlüpfen. Da die erwachsenen Tiere das Gewässer unmittelbar nach dem Schlüpfen verlassen, sammeln sie sich zunächst über der Wasseroberfläche und in der Uferzone. Von diesem reichhaltigen Nahrungsangebot profitieren zahlreiche Tiere. Vögel wie Mehlschwalben und Grauschnäpper jagen die Insekten geschickt, nach Einbruch der Dämmerung übernehmen Fledermäuse die nächtliche Jagd. Die vielen Insekten bilden eine wichtige Grundlage des Nahrungsnetzes und tragen dazu bei, dass der Mühleweiher zahlreichen Tierarten als Lebensraum dient. Ein naturnaher Weiher ist weit mehr als eine Wasserfläche – er ist ein wertvoller Treffpunkt für viele Lebewesen.

Bilder/Bildlegenden

02_02_a_Bild Ringelnatter
Bild Ringelnatter: Die Ringelnatter ist nicht giftig und für den Menschen ungefährlich – bei Gefahr stellt sie sich lieber tot, als zu beissen. Erkennbar ist sie an den gelblichen Halbmond-Flecken hinter dem Kopf. Als geschickte Schwimmerin jagt sie vor allem Frösche und kleine Fische im und ums Wasser.
02_02_b_Bild Libellen
Bild Libellen: Die farbenfrohen Libellen flitzen als blitzschnelle Jägerinnen über dem Wasser auf der Suche nach kleineren Insekten umher. Als Paarungsrad wird die Figur benannt, die Libellen während ihrer Paarung einnehmen. Es kann besonders im Sommer an Gewässern bei verschiedenen Libellenarten beobachtet werden. Ihre Larven entwickeln sich im Wasser selbst. Sie sind sehr viel weniger farbig, aber ebenso gefrässig.
02_02_c_Bild Bergmolch
Bild Bergmolch: Tagsüber verstecken sich Bergmolche gerne zwischen Wasserpflanzen, wo Weibchen ihre Eier einzeln in Blätter einwickeln. Ohne diese Vegetation fehlt ihnen sowohl Schutz vor Fressfeinden als auch ein Platz für den Nachwuchs.

Staudenrabatte Baselmattweg

Aus dem «Hunde-WC» wird eine wertvolle Wildstaudenrabatte
Grün war sie zwar, die kleine Rasenfläche am Baselmattweg unmittelbar an der Grenze zu Basel. Viel mehr hatte die unscheinbare Fläche jedoch nicht zu bieten. Vor allem Hundehalterinnen und Hundehalter nutzten sie gerne – weshalb sie bei den Regiebetrieben wenig liebevoll «Hunde-WC» genannt wurde.

Das sollte sich ändern. Mit einer ökologischen Aufwertung entstand im November 2022 eine artenreiche Wildstaudenrabatte, die heute nicht nur das Erscheinungsbild der Fläche verbessert, sondern auch zahlreichen Insekten und anderen Lebewesen Nahrung und Lebensraum bietet.

Der Weg dorthin war allerdings mit einigem Aufwand verbunden. Zunächst mussten die bestehende Rasennarbe und rund 40 Zentimeter Humus mit dem Bagger abgetragen werden. Dabei galt es, besonders auf die bereits 2019 vom Werkhof gepflanzte Flatterulme zu achten und deren Wurzeln möglichst zu schonen.

Anschliessend wurde die Fläche mit 0/16-Leitungskies aufgefüllt. Dadurch entstand ein nährstoffarmer, magerer Boden, der für die ausgewählten Pflanzen besonders geeignet ist. Gleichzeitig kann der Boden dank seines Feinanteils Wasser eine gewisse Zeit speichern.

Ein Paradies für Insekten
Bei der Auswahl der Pflanzen standen vor allem vier Ziele im Vordergrund:

  • einheimische und regional vorkommende Pflanzen
  • eine gute Verträglichkeit von Trockenheit und den Folgen des Klimawandels
  • ein vielfältiges Nahrungsangebot für Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten
  • die Förderung von Bodenlebewesen

Die Grundlage bildete eine Staudenmischung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Diese wurde zuvor in einem mehrjährigen Feldversuch in Zusammenarbeit mit der Gemeinde auf dem Bettenackerareal getestet und hatte sich dort auch unter schwierigen Bodenbedingungen bewährt.

Für den Baselmattweg wurde die Mischung übernommen und mit weiteren Pflanzen ergänzt. So bietet beispielsweise Fenchel dem Schwalbenschwanz eine wichtige Nahrungspflanze, während der Muskatellersalbei unter anderem von Holzbienen als Nahrungsquelle genutzt wird. Auch zwei Sanddornpflanzen – eine männliche und eine weibliche – wurden gesetzt.

Doch nicht nur Pflanzen machen die neue Rabatte wertvoll. Drei Stelen aus Akazienholz mit unterschiedlich grossen Bohrlöchern bieten Wildbienen mögliche Nistplätze. Wurzelstöcke und Kalksteinhaufen schaffen zusätzliche Strukturen und Verstecke für Insekten und andere Kleintiere.

Die Natur übernimmt
Bereits kurze Zeit nach der Umgestaltung zeigte sich, wie schnell sich die Fläche entwickelte. Neben den gepflanzten Stauden fanden sich auch erste Pionierpflanzen wie Mohn und Natternkopf ein. Die Rabatte wurde damit zunehmend zu einem vielfältigen Lebensraum.

Der Pflegeaufwand hält sich grundsätzlich in Grenzen. Gerade in den ersten Jahren braucht die Fläche jedoch noch etwas Aufmerksamkeit. Vor allem das Wässern und das Entfernen von unerwünschten Beikräutern sind wichtig, bis sich die Stauden etabliert haben. Danach kann sich die Fläche zunehmend selbst entwickeln.

Ein Projekt für die Lernenden
Die Umsetzung wurde als Lehrlingsprojekt des Werkhofs realisiert. Lernende der Allgemeinen Gruppe und der Grünflächen-Gruppe waren an den Arbeiten beteiligt und konnten dabei praktische Erfahrungen sammeln – von den Vorbereitungsarbeiten bis zur Gestaltung und Bepflanzung der Fläche.

Unterstützt wurden sie dabei von der Baugruppe, die unter anderem den Bagger zur Verfügung stellte und für den benötigten Kies sorgte.

Aus einer wenig attraktiven Rasenfläche ist so ein vielfältiger und ökologisch wertvoller Lebensraum entstanden. Das Beispiel am Baselmattweg zeigt, dass auch kleine Flächen einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leisten können.

Im Brüel (Inhalt folgt)

Dürrenmatte (Inhalt folgt)

Böschung Schwimmbad (Inhalt folgt)

Baumbestand Mühleweiher (Inhalt folgt)

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