Die Gemeinde Allschwil birgt viele erlebnisreiche Naturräume inner- und ausserhalb von Wohngebieten und ist sich der Bedeutung von intakten natürlichen Lebensräumen bewusst. Sie tragen nicht nur zum Wohlbefinden von uns Menschen bei, sondern tragen auch zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Insbesondere im Siedlungsgebiet ist es wichtig, geeigneten Lebensraum für die Tiere und Pflanzen zu schaffen, damit sie sich fortpflanzen, Nahrung finden und Versteckmöglichkeiten haben. Nur so erhalten wir die Biodiversität. Ebenso tragen Bäume, Hecken und Grünflächen zu einem angenehmen Stadtklima bei.
Diverse Flächen wurden in den vergangenen Jahren in Allschwil bereits zur Verbesserung des Lebensraumangebots und zur Förderung der Artenvielfalt aufgewertet.
Hierzu zählen:
Was es alles innerhalb der Gemeinde Allschwil zu entdecken gibt, erfahren Sie hier auf der Seite «Allschwils Natur auf der Spur“.
Die kluge Eule begleitet Sie auf Ihren Erkundungstouren.
Grosse, knorrige Eichen prägen den Allschwiler Wald. Dabei handelt es sich um zwei verschiedene, nahe verwandte Baumarten: Die Traubeneiche und die Stieleiche. Beide wachsen zu sehr grossen, imposanten Bäumen heran und können mehrere hundert Jahre alt werden. Sie unterscheiden sich bei Details: Bei der Stieleiche sitzen die Eicheln selber an den Namen gebenden langen Stielen, bei der Traubeneiche sind die Stiele kurz. Bei den Blättern helfen die Namen hingegen nicht: hier ist es die Traubeneiche, deren Blätter Stiele resp. Stängel haben, nicht die Stieleiche.
Kleinräumig bevorzugen die beiden Arten etwas verschiedene Stellen im Allschwiler Wald: Die Stileiche wächst am besten in tiefgründigen, lehmigen Stellen. Die Traubeneiche hingegen ist empfindlicher gegen Nässe und bevorzug trockene, etwas erhöhte Standorte.
Eines haben beide Eichenarten aber gemeinsam – ihre enorme Bedeutung für die Artenvielfalt. An keiner anderer Baumart leben so viele verschiedene Insektenarten! Insgesamt sind es weit über 1000 Arten, darunter alleine über 400 Schmetterlinge und mehr als 50 Bockkäfer.
Im Allschwiler Wald kommen mehrere sehr anspruchsvolle Käfer vor, die auf Eichen angewiesen sind. Mit Abstand am bekanntesten ist dabei der imposante Hirschkäfer. Vier weitere Arten mit teilweise abenteuerlichen Namen gehören zur Familie der Bockkäfer: der Schwarze Halsbock, der
Bunte Rinden-Widderbock, der Eichen-Zangenbock und der Mattschwarze Scheibenbock.
Meistens sind es dabei die Larven, die über mehrere Jahre im Holz leben und auf grosse alte Eichen, stehendes Totholz oder morsches Eichenholz angewiesen sind. In stark genutzten Wirtschaftswäldern haben solche Arten kaum Überlebenschancen. Dank der nachsichtigen Pflege und dem Stehenlassen vieler alter Eichen im Allschwiler Wald konnten sie sich hier halten.
Die Lichtungen sind als Blumenrasen und Blumenwiesen angelegt, die je nach Nutzungsintensität unterschiedliche Erscheinungsbilder erhalten. Robuster Spielrasen wechselt sich ab mit Blumenrasen oder Wiese. Die gesamten Vegetationsflächen sind pflegeleicht und werden, abgesehen vom Intensiv- und Parkrasen, extensiv unterhalten.
Die stark genutzten Rasenflächen (zentrale Liegewiese, ums Wasserbecken und beim Spielplatz) werden mit einem robusten Universalrasen und die Randbereiche als Blumenrasen erstellt. Somit kann die Pflege reduziert werden.
Bäume sind hervorragende Klimaschützer: Sie produzieren Sauerstoff und verbrauchen dabei das Treibhausgas Kohlendioxid. So kann beispielsweise eine einziger ausgewachsener Baum Tag für Tag den Sauerstoff für bis zu 50 Menschen erzeugen – ohne Steckdose und völlig kostenlos noch dazu!
Der Lindenbaum gilt als Freund der Menschen, symbolisch auch als Glücksbringer. Er war ursprünglich der Fruchtbarkeitsgöttin Frigga/Freya gewidmet. Erstaunlich ist aber, dass es kulturgeschichtlich bei der Linde stets um den Einzelbaum geht. Dies wird deutlich bei Begriffen aus dem Volksleben wie Dorflinde, Tanzlinde oder Gerichtslinde. Meist handelt es sich hierbei um die Winterlinde (Tilia cordata), gelegentlich aber auch um die Sommerlinde (Tilia platyphyllos). Es ist im historischen Dorfleben durchaus nachvollziehbar, wie sich das lärmende Treiben bei Dorffesten unter der Linde abgespielt hat. Da wurde unter der Dorflinde getanzt und die Musiker saßen auf einem Gerüst inmitten der Linde. Es war wohl auch ein Abheben aus der oft kärglichen Alltagswelt. Dieser blühende und schattenspende Lindenbaum war neben der Kirche zugleich der Mittelpunkt des Dorfes, ein kultureller Magnet im Dorfleben. Daran kann man erkennen, dass der Lindenbaum für die Menschen so etwas wie Heimat war und auch Geborgenheit gab.
Noch heute tragen sehr viele Gaststätten den Namen Linde. Hunderte Orte im deutschsprachigen Raum tragen in ihrem Namen das Wort Linde (der Name Leipzig z.B. kommt aus dem Slawischen Lipko und bedeutet Lindenort oder der Name Lindau ist aus dem alemannischen Lindou abgeleitet), ebenso eine große Zahl von Flurnamen, sogar Familiennamen (z. B. der schwedische Naturforscher Carl von Linné). Auch die langjährige Fernsehserie Lindenstrasse ist ein Beispiel für berührendes nachbarschaftliches Miteinander.
In der Literatur wird die Linde mit ihren herzförmigen Blättern gerne für verlässliche Liebesbekundungen, enge Freundschaftsbande oder tragische Leidenschaften poetisch verwendet. In zahlreichen Liedern, Gedichten, Romanen wird bekundet, wie die Linde für Liebe, Treue und Zuneigung steht.
Mit dem Erstarken des Adels im 18 Jahrhundert kommt der Alleebaum auf, meist an Auffahrten zu den repräsentativen herrschaftlichen Sommersitzen. Auch im Inneren der Gärten wurden Linden eingeplant, meist als geschnittene Bosketts (speziell, aufwendig gestaltete Gartenanlage) oder als Kulissen fürs Heckentheater. Und ab dem 19. Jahrhundert wird die Linde zunehmend als Stadtbaum für Straßen, Plätze und Parkanlagen verwendet. Bereits 1904 ist die Linde der meist verwendete Strassenbaum.
In heissen Sommern heizen sich unsere Innenstädte stark auf. Es kommt zu Temperaturunterschieden von bis zu 7°C im Vergleich zum Umland. Stadtbäume mindern diesen Effekt durch den Schatten, den sie spenden, und das Wasser, das sie über das Laub verdunsten. Durch das Verdunsten wird an heißen Tagen der Luft Wärme entzogen. Auf diese Weise wird die Luft befeuchtet und das Stadtklima positiv beeinflusst.
Je mehr Bäume, Sträucher und anderes Grün eine Stadt zu bieten hat, desto höher die Wohn- und Aufenthaltsqualität. Bäume tragen für viele Menschen zu Entspannung und Wohlbefinden bei. Sie filtern Feinstaub und Schadstoffe aus der Luft und dämpfen Wind, Niederschlag und Straßenlärm. Damit wirken sie sich direkt positiv auf unserer Gesundheit aus.
In ihren Kronen, auf und unter ihrer Rinde bieten Bäume zahlreichen Vögeln und vor allem Insekten Unterschlupf und Nahrung. Für die Lebensgemeinschaften, die sich auf einem Stadtbaum ansiedeln ist es von großer Bedeutung, dass es sich um einheimische Gehölze handelt, da unsere Tierwelt an diese angepasst ist. Wo Bäume den Boden beschatten, schützen sie ihn vor Austrocknung. So bleibt er aufnahmefähig für Niederschläge und auch das Bodenleben wird geschützt. Wird ein Baum älter, entstehen Baumhöhlen sowie Risse und Spalten in und unter der Rinde. Diese Strukturen dienen Vögeln, Eichhörnchen und Fledermäusen als Brutstätte und Versteck. Auch von Gartenschläfern und Schmetterlingen werden Baumhöhlen gerne zum Überwintern genutzt. Gerade bei der Aussage, ein Baum müsse wegen Alter oder Krankheit gefällt werden, gilt es daher kritisch zu prüfen, ob er nicht durch gezielte Pflegemaßnahmen als wichtiges Biotop erhalten werden kann.
Das Naturschutzgebiet Sporn ist geprägt von starken Gegensätzen: Belebte Tümpel und Weiher stehen inmitten von trockenen Kieshügeln. Das Gebiet ragt bis ins Siedlungsgebiet.
Mosaik der Gegensätze: Biotopvielfalt in der ehemaligen Tongrube
Kaum ein anderes Gebiet in Allschwil vereint auf so engem Raum derart unterschiedliche Le-bensräume wie die ehemalige Tongrube der Ziegelei. Rund um einen grossen Hauptweiher verteilen sich zahlreiche kleinere Weiher und Tümpel, durchsetzt von offenen Kiesflächen, bunten Wiesen und einer artenreichen, vielfältig strukturierten Hecke, die das Gebiet abschliesst. Grosse Einzelbäume wie Silberpappeln, Weiden und Birken sowie einzelne Trockenmauern ergänzen das Mosaik. Gerade dieses Nebeneinander von trockenwarmen und feuchten, offenen und dicht bewachsenen Teilbereichen macht das Gebiet zu einem der artenreichsten (Naturschutz-)Gebiete der Gemeinde.
Pioniere auf Kies und Schotter
Die offenen, kargen Kiesflächen mögen auf den ersten Blick unscheinbar wirken, beherbergen aber Spezialisten der Halbtrockenstandorte. Die Zypressen-Wolfsmilch, erkennbar an ihren feinen, nadelartigen Blättern, und der Natternkopf mit seinen leuchtend blauvioletten Blüten gedeihen nur dort, wo der Boden mager und wasserdurchlässig bleibt – auf nährstoffreicheren Wiesen hätten sie gegen konkurrenzstärkere Pflanzen keine Chance. Solche Pionierstandorte sind in der intensiv genutzten Kulturlandschaft selten geworden und daher besonders wertvoll. In einer natürlichen Flusslandschaft sorgten früher Hochwasser regelmässig für Dynamik: Sie rissen Vegetation weg, verlagerten Kies und schufen immer wieder neue, offene Rohbodenstellen – genau den Lebensraum für diese Pionierarten. Weil die meisten Flüsse und Bäche heute begradigt, verbaut und reguliert sind, fehlt diese natürliche Störungsdynamik der Auenlandschaften weitgehend. Ohne Hochwasser gibt es kaum mehr neue Rohbodenstandorte, und ungestörte Kleingewässer verlanden und verbuschen mit der Zeit von selbst.
Pflegeeingriffe notwendig
Das ehemalige Tonabbaugebiet übernimmt heute die Funktion, die einst die Aue erfüllte: Es dient als Ersatzstandort für jene Pionierarten, die in der übrigen Landschaft kaum mehr geeignete Lebensräume finden. Damit dieser Ersatzlebensraum seine Funktion behält, sind aber periodische Pflegeeingriffe unerlässlich – das Ausbaggern verlandeter Tümpel, das Freistellen zugewachsener Kiesflächen oder das Zurückdrängen von Gehölzen simulieren künstlich jene Dynamik, die in der freien Natur früher das Hochwasser besorgte. Ohne diese regelmässigen Eingriffe würde das Gebiet innert weniger Jahre zuwachsen und die seltenen Pionierarten verschwänden wieder.
Hotspot für Amphibien
Bergmolch, Fadenmolch, Erdkröte, Grasfrosch sowie die drei gefährdeten Pionierarten Ge-burtshelferkröte, Gelbbauchunke und Kreuzkröte kommen hier vor. Besonders hervorzuheben sind die grossen Populationen von Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte – zwei Arten, die auf genau jene Mosaikstruktur aus vegetationsarmen, sich rasch erwärmenden Kleingewäs-sern und deckungsreichen Landlebensräumen angewiesen sind, wie sie in ehemaligen Abbau-gebieten typischerweise entstehen. Die Bestände werden regelmässig im Rahmen des kanto-nalen Monitorings der IANB-Objekte (Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung) erfasst.
Ein unerwünschter Fund: der italienische Kammmolch
Neben den einheimischen Arten wurde im Gebiet auch der italienische Kammmolch nachgewiesen – eine Art, die ursprünglich nicht in der Region beheimatet ist und vermutlich ausgesetzt wurde. Solche gebietsfremden Arten stellen ein Problem für die heimischen Amphibien dar, da sie mit ihnen um Lebensraum und Nahrung konkurrieren oder Krankheitserreger ein-schleppen können. Das Vorkommen des Italienischen Kammmolchs unterstreicht, wie wichtig es ist, keine gebietsfremden Tiere in Gewässern auszusetzen – auch gut gemeinte «Freilas-sungen» können einheimischen Ökosystemen schaden.
Die ehemalige Tongrube zeigt eindrücklich, welches Potenzial in Abbaugebieten für den Natur-schutz steckt: Wo einst Ton gestochen wurde, ist heute ein wertvolles Amphibien- und Pflanzengebiet entstanden, welches dank Pflegeeingriffen erhalten wird.
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Das «Geologische Denkmal», am Rande der neuen Wohnsiedlung in der alten Tongrube, ist ein wertvolles Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen. Erleben Sie hier ein Stück Allschwiler Natur- und Kulturgeschichte in nächster Nähe zum Dorf.
Von der Tongrube zum Amphibienparadies
Wo heute Weiher, Tümpel und Hecken ein wertvolles Naturschutzgebiet bilden, wurde bis 1975 Ton abgebaut. Der Rohstoff für die Allschwiler Ziegeleien lagerte hier in Form des soge-nannten Blauen Letten, einer feinkörnigen Tonschicht, die sich vor rund 30 Millionen Jahren abgesetzt hatte. Über Jahrzehnte prägte der Ziegeleibetrieb das Gebiet – bis mit dem Ende des Tonabbaus die Natur den ehemaligen Abbauort zurückeroberte und daraus eines der wertvolls-ten Amphibiengebiete des Kantons Basel-Landschaft entstand.
Ein geologisches Profil zum Erleben
Der ehemalige Tonabbau legte ein eindrückliches geologisches Profil frei, das die Erdge-schichte der letzten Jahrmillionen sichtbar macht. Über dem Blauen Letten liegt der Jüngere Deckenschotter, eine bis zu fünf Meter mächtige Schicht aus verfestigtem Nagelfluh-Konglomerat, die einst von Alpen und Schwarzwald hierher transportiert wurden. Darüber folgt eine mehrere Meter, stellenweise bis zu 9 Meter mächtige Löss- bzw. Lösslehmschicht – feins-ter, vom Wind angewehter Staub aus mehreren Eiszeiten. Dank der Errichtung einer Block-Schuttböschung am Rande konnte das geologische Profil erhalten werden. Damit erzählt es auch heute noch die Geschichte der Region über mehrere Millionen Jahre.
Vielfältiger Lebensraum
Das Gebiet der ehemaligen Tongrube auf dem Ziegelei-Areal umfasst heute unterschiedlichste Lebensräume: Ein grosser Weiher und mehrere kleine Tümpel wechseln sich mit Hecken, Feldgehölzen und offenen Pionierflächen ab. Die Weiher werden von hoch gewachsenen Wei-den gesäumt, dazu kommt eine teils dichte, krautige Ufervegetation. Auch gefährdete Arten wie die Zypergras-Segge, die auf naturnahe Feuchtstandorte angewiesen ist und in der Schweiz als vom Aussterben bedroht gilt, kommen vor.
Verbuschung bedroht Vielfalt
Ohne regelmässige Pflege verbuschen offene, magere Standorte innert weniger Jahre: Brom-beeren, Sträucher und schnellwüchsige Gehölze breiten sich aus, beschatten den Boden und verdrängen die lichtliebenden Pionierarten, die auf offene Rohbodenstellen angewiesen sind. Ein Beispiel dafür sind zwei in der Schweiz vom Aussterben bedrohte Moose der Gattung Aloi-na, die 1990 im Gebiet nachgewiesen werden konnten. Sie besiedeln ausschliesslich vegetati-onsfreie, kalkreiche Rohböden in voller Sonnenexposition – fortschreitende Verbuschung führt dazu, dass ihr Lebensraum verschwindet. Eine Nachsuche im Jahr 2025 zeigte, dass zumin-dest eine der beiden Arten noch vorkommt.
Ziegen und Schafe als Landschaftspfleger
Um der Verbuschung entgegenzuwirken, setzt der Naturschutz zunehmend auf einen vierbei-nigen Helfer: die Ziege. Als genügsame und äusserst vielseitige Pflanzenfresser verschmähen Ziegen selbst dornige Sträucher, junge Gehölztriebe und Brombeerranken nicht – Pflanzen, die Rinder oder Schafe meiden. Durch gezielte, zeitlich begrenzte Beweidung halten sie aufkom-mende Gehölze klein und verhindern, dass sich Büsche zu dichten Dickichten entwickeln. Im Gegensatz zu schwerem Pflegegerät verdichten Ziegen den Boden kaum und schaffen durch ihren Tritt zusätzlich kleine offene Bodenstellen – ideale Ansatzpunkte für genau jene Pionier-pflanzen und -moose, die auf Rohboden angewiesen sind. So wird aus einer alten landwirt-schaftlichen Nutzungsform ein wirkungsvolles und zugleich naturnahes Instrument der moder-nen Landschaftspflege. Im Naturschutzgebiet finden jährlich 1–2 kurze Beweidungen von jeweils einigen Wochen statt.
Ein Amphibienparadies von nationaler Bedeutung
Die durch den Tonabbau entstandenen Weiher und Tümpel haben sich zu einem eigentlichen Amphibien-Hotspot entwickelt. Gleich fünf Arten, welche auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, sind im Gebiet zu Hause. Hinzu kommen drei weitere einheimische Amphibien-arten. Aufgrund dieser aussergewöhnlichen Vielfalt gehört das Naturschutzgebiet «Geologi-sches Denkmal» zum Objekt «Ziegelei Allschwil» des Bundesinventars der Amphibienlaichge-biete von nationaler Bedeutung (IANB) der Schweiz. Die Amphibien-Bestände werden regel-mässig im Rahmen des kantonalen IANB-Monitorings erfasst und überwacht.
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2001 wurde die Ziegelei Allschwil in das Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen. Die Weiher und Tümpel des früheren Tonabbaus zur Ziegelherstellung hat seltene und gefährdetet Amphibienarten an diesen Ort gelockt.
Amphibienparadies
Insgesamt kommen acht der 12 Amphibienarten aus der Region Basel (und der 18 Amphi-bienarten der Schweiz) im Gebiet Ziegelei vor: Bergmolch, Erdkröte, Geburtshelferkröte, Gelbbauchunke, Grasfrosch, Wasserfrosch-Komplex, Fadenmolch und Kreuzkröte. Fünf davon stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der Schweiz.
Amphibiensterben in der Schweiz
Die Lebensraumzerstörung mit einem Verlust an Feuchtgebieten bzw. Laichgewässern in der Schweiz ist Hauptverantwortlich für den Rückgang und die Gefährdung der Amphibien. Mehr als 90% der Feuchtgebiete gingen in der Schweiz zwischen 1850 und 2000 verloren, und mit ihnen viele Amphibienpopulationen. Selbst in den letzten 30 Jahren verschwand bei gewissen Amphibienarten die Hälfte der Populationen in der Schweiz. Für die Amphibienbestände auf dem Gebiet der Ziegelei konnte ein ähnliches Schicksal trotz der teilweisen Überbauung abgewendet werden. Frühzeitig wurden ausreichend grosse Bereiche als Naturschutzgebiet ausgeschieden, streng geschützt und zusätzlich aufgewertet. Damit sollten die Flächenverluste ausgeglichen werden.
Tunnel für die Amphibien
Die bedeutendsten Bereiche für Amphibien innerhalb Amphibienlaichgebiets von nationaler Bedeutung bestehen aus den Naturschutzgebieten «Geologisches Denkmal» und «Sporn». Kleinere Gewässer zwischen den Häusern gehören ebenfalls dazu. Diese Tümpel wurden angelegt, damit die Amphibien zwischen den Häusern hindurchlaufen können. Ergänzend wurden unter den Strassen an den entsprechenden Stellen Mini-Tunnels für die Amphibien und andere Kleintiere errichtet, damit diese gefahrlos die Strasse (unter-)queren können. Leitmauern führen die Tiere zu diesen Tunnels. Ausserdem wurde um die Überbauung eine 50 cm hohe Mauer errichtet und auf der Strasse bei den Siedlungseinfahrten jeweils Stopprinnen, damit die Amphibien sich nicht in die Überbauung verirren, wo sie nur wenig geeigneten Lebensraum vorfänden. Alle diese Strukturen, aber auch die verbliebenen Lebensräume müssen langfristig in einem sehr guten Zustand erhalten werden. Nur so können hier Frösche, Kröten und Molche weiterhin neben den Menschen vorkommen.
Zwei grosse Fabriken produzierten hier bis 1975 Backsteine, Dachziegel und Kaminsteine. Sie waren die bedeutendsten Arbeitgeber in Allschwil.
Die Geschichte der Allschwiler Ziegeleien
Schon vor über 500 Jahren wurde auf der Allschwiler Höhe Lehm – im lokalen Dialekt «Lett» – abgebaut. Der Name ist bis heute im Gebiet «Im Letten» erhalten geblieben und erinnert an eine Tradition, die weit vor der eigentlichen Industrialisierung begann. Bereits zur Römerzeit hatten Ziegelbrennerei und Töpferhandwerk in der Region Basel grosse Bedeutung, und über Jahrhunderte stellten zahlreiche kleine Ziegelhütten Backsteine und Dachziegel für den lokalen Bedarf her.
Von der Ziegelhütte zur Fabrik
Mit der Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert veränderte sich die Produktion grundlegend. 1879 gründeten H. Iselin jun. und H.F. Passavant in Allschwil die Firma Passavant-Iselin & Cie AG und begannen mit der mechanisierten Herstellung von Backsteinen und Ziegeln. Sie revolutionierten die Ziegelproduktion mit den ersten dampfbetriebenen Maschinen. Das Unternehmen wuchs rasch zum grössten Ziegeleibetrieb der Region. 1897 folgte mit der «Mechanischen Ziegelei Allschwil F. Rothpletz» – später umfirmiert zur Aktienziegelei Allschwil (AZA) – ein weiterer bedeutender Betrieb. Die vielen kleinen, traditionellen Ziegelhütten wurden damit zunehmend von zwei grossen, mechanisierten Fabriken abgelöst.
Schneckenpresse als Motor der Massenproduktion
Herzstück der neuen Fabriken war die Schneckenpresse: Eine grosse, dampfbetriebene Förderschnecke presste den aufbereiteten Lehm kontinuierlich durch eine Mundstück-Öffnung und formte ihn zu einem endlosen, gleichmässigen Strang – ähnlich wie bei einem überdimensionierten Fleischwolf. Dieser Strang wurde anschliessend mit Drahtbögen in exakt gleich grosse Rohlinge geschnitten. Was zuvor in mühsamer Handarbeit Stein für Stein in Holzformen gestampft wurde, liess sich mit der Schneckenpresse in einem ununterbrochenen Arbeitsgang und in bis dahin unerreichter Geschwindigkeit herstellen. Diese Mechanisierung war die Voraussetzung dafür, dass die Ziegeleien überhaupt in der später erreichten Grössenordnung produzieren und Basel im grossen Stil mit Baumaterial versorgen konnten.
Zwei Fabriken prägen das Dorf
Viele Basler Häuser aus dem 19. Jahrhundert wurden mit Backsteinen und Ziegeln aus Allschwil erbaut. In ihrer Blütezeit produzierten die beiden Ziegelfabriken in den 1930er Jahren jährlich 40 Millionen Backsteine und Dachziegel. Die Ziegeleien waren weit mehr als reine Produktionsstätten – sie waren der Beleg dafür, dass sich Allschwil von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einer städtisch-industriellen Siedlung wandelte. Zusammen mit der ortsansässigen Schuhfabrik boten die Ziegeleien vielen Allschwilerinnen und Allschwilern über Generationen hinweg Arbeit und Auskommen. In den beiden Ziegelfabriken arbeiteten bis zu 700 Menschen, was damals beinahe 20% der gesamten Bevölkerung Allschwils entsprach.
Das Ende einer Ära
Anfangs der 1970er Jahre gingen die Absatzzahlen der Ziegeleien stark zurück. 1975 stellte die Ziegelei Passavant-Iselin nach knapp 100-jähriger Tätigkeit ihren Betrieb endgültig ein – auch die letzten anderen Ziegeleien im Gebiet verschwanden in dieser Zeit.
Vom Tonabbau zur Naturjuwel
Der Ton für die Ziegelproduktion wurde in offenen Gruben abgebaut – Schicht für Schicht gruben sich Bagger und Handarbeiter über Jahrzehnte immer weiter in die Allschwiler Höhe. Der begehrte Rohstoff für die Ziegelproduktion war in erster Linie der sogenannte Blaue Letten (auch Septarienton genannt), eine feinkörnige, äusserst plastische Tonschicht, die sich vor rund 30 Millionen Jahren im Oligozän in einem Meeresarm im Rheingraben abgelagert hatte. Seine feine Körnung und hohe Plastizität machten ihn ideal formbar – eine wichtige Voraussetzung für die maschinelle Ziegelproduktion. Ergänzend nutzten die Ziegeleien auch die darüberliegende, mehrere Meter mächtige Lösslehmschicht. Dabei handelt es sich um einen feinen, während der Eiszeiten vom Wind abgelagerten Staub, der ebenfalls zu Backsteinen und Dachziegeln verarbeitet werden konnte. Um an diese Tonschichten heranzukommen, mussten die darüberliegenden Schichten – insbesondere der grobe, steinreiche Jüngere Deckenschotter – zunächst abgetragen werden, was den Abbau entsprechend aufwendig machte.
Nach dem Tonabbau blieb eine 40 Meter tiefe Grube zurück, welche schrittweise aufgefüllt wurde. Dadurch entstand ein unregelmässiges, kleinräumiges Geländerelief mit Mulden, Senken und Abbaukanten, ganz anders als die ursprüngliche Landschaft. Die tiefsten Stellen füllten sich mit Wasser und es entstanden nach und nach Weiher und Tümpel unterschiedlichster Grösse und Tiefe. Weil diese Gewässer zunächst weitgehend sich selbst überlassen blieben, konnten sich hier Pionierarten ansiedeln, die auf vegetationsarme, unbeständige Kleingewässer angewiesen sind – darunter seltene und stark gefährdete Amphibien wie Geburtshelferkröte, Gelbbauchunke und Kreuzkröte. Aus einer rein industriellen Abbaufläche wurde so im Lauf der Zeit eines der wertvollsten Amphibiengebiete der Region. Während ein Teil des Gebiets überbaut wurde, konnten zwei Teile als Naturschutzgebiete erhalten werden: das Gebiet «Geologisches Denkmal» und das Gebiet «Sporn».
Ein neues Kapitel
Auch wenn die Ziegelproduktion längst Geschichte ist, bleibt das Erbe der Industrieepoche in Allschwil sichtbar. Historische Bauten wie die alten Pförtnerhäuser und Teile der Fabrikhallen sollen bei der anstehenden Quartierentwicklung erhalten bleiben und als bauliche Zeitzeugen weiterleben – während rundherum ein neues, durchmischtes Quartier mit Wohn- und Gewerberaum sowie grosszügigen Grünflächen entsteht. So bleibt die einstige Industriegeschichte Teil der Identität Allschwils.
Überschwemmungen in Allschwil
Mehrere Überschwemmungen in den 1990er Jahren verursachten in Allschwil Schäden in Millionenhöhe. Grund für die Überschwemmungen und hohen Schäden sind die eingedolten Bäche in Allschwil, welche bei Starkniederschlag nicht genügend Wasser abführen können. Als Reaktion darauf begann die Planung des Hochwasserdamms im Mülital. Dieser Damm sollte als Rückhaltebecken zum Schutz vor Überschwemmungen durch den Mülibach dienen. Der Hochwasserdamm wurde so konstruiert, dass er die Wassermengen eines 100-jährigen Hochwassers des Mülibachs zurückhalten kann und maximal 1.5 m3/s in den Mülibach abgibt. Damit sollte das Fassungsvermögen des eingedolten Bachs weiter unten in Allschwil nicht mehr überschritten werden. Der mittlere Abfluss des Mülibachs beträgt 0.06 m3/s. Damit bräuchte er ca. 3.3 Sekunden, um eine Badewanne zu füllen. Mit diesem Abfluss entspricht der Mühlibach also die allermeiste Zeit einem gemächlich fliessenden, harmlosen Bächlein. Bei einem 100-Jährigen Hochwasser beträgt der Zufluss aber bis zu 16 m3/s, was pro Sekunde beinahe 100 Badewannen füllen würde. Einfach vorstellbar, dass es sich dabei um einen ganz anderen Bach handelt, der zu grossen Verwüstungen führen kann. 2007 wurde der Damm fertiggestellt. Breits ein Jahr darauf hielt er erfolgreich ein erstes Hochwasser auf.
Hochwasserdamm Mülital
Der Damm ist maximal zehn Meter hoch, 225 Meter lang und verfügt über ein Rückhaltebecken von 200'000 m3, was in etwa 80 gefüllten Olympia-Schwimmbecken (oder ca. einer Million gefüllter Badewannen) entspricht. Dabei würde der See eine Fläche von ca. 60'000 m2 (oder 8-9 Fussballfelder) bedecken. Der Erddamm selbst besteht aus einem wasserdichten Kern und einer Aufschüttung aus Lösslehm, Kies und Sand.
Ein Damm als Naturperle von Allschwil
Hochwasserschutz und Trockenwiese – was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch klingt, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Der Damm beherbergt eine der wertvollsten und artenreichsten Trockenwiesen der Gemeinde. Diese stammt aus einer gezielten Ansaat mit Arten, die typisch sind für trockenwarme Bedingungen auf wasserdurchlässigem, nährstoffarmem Substrat.
Die Artenvielfalt und das Blütenangebot sind ausserordentlich gross: Hufeisenklee, Wundklee, Wiesen-Salbei, Saat-Esparsette, Feld-Witwenblume, Thymian, Sonnenröschen, Skabiose, Skabiosen-Flockenblume, Nickendes Leinkraut und Pyramiden-Kammschmiele wachsen hier auf engem Raum nebeneinander. Auch die Mauereidechsen profitieren von der sonnendurchfluteten Wiese. Mit dem Zwergbläuling und dem Himmelblauen Bläuling wurden in der Trockenwiese auf dem Hochwasserdamm gleich zwei Schmetterlingsarten erstmals in Allschwil nachgewiesen.
Bedrohte Schönheit
Trockenwiesen (und -weiden), wie jene auf dem Hochwasserdamm, gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas – und gleichzeitig zu den am stärksten gefährdeten. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden über 95 % der ursprünglichen Trockenwiesenflächen in der Schweiz zerstört durch Düngung, Überbauung oder durch das Ausbleiben der traditionellen, extensiven Nutzung. Ohne regelmässiges Mähen oder Beweiden verbuschen diese Flächen und verlieren rasch ihren ökologischen Wert.
Vielfalt durch Kargheit
Trockenwiesen verdanken ihren Artenreichtum paradoxerweise ihrer Kargheit: Auf nährstoffarmem Boden können konkurrenzstarke, schnellwüchsige Pflanzen nicht dominieren. Das schafft Raum für eine Vielzahl spezialisierter Arten, die anderswo keine Chance hätten. Diese Blütenvielfalt wiederum ist die Lebensgrundlage für eine ausserordentliche Zahl an Insekten – von Wildbienen über Tagfalter bis zu Heuschrecken – und damit auch für die Tiere, die sich von ihnen ernähren, wie Reptilien und Vögel. Trockenwiesen zählen deshalb zu den wichtigsten Hotspots der Artenvielfalt und sind gesetzlich als Biotope von nationaler Bedeutung geschützt.
Dass ausgerechnet ein Hochwasserschutzbauwerk zu einem solchen Rückzugsort werden konnte, zeigt eindrücklich, wie viel Potenzial auch technische Infrastruktur für den Naturschutz bergen kann – und macht den Damm am Mülibach zu einer Naturperle in Allschwil.
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Reservoir für die Mühle
Mitten im Siedlungsraum liegt der Mühleweiher. Dieser wurde vor über 400 Jahren angelegt, um die Getreidemühle auch bei wenig Wasser in Trockenperioden betreiben zu können. Heute wird der Weiher durch Quellwasser gespeist. Im Sommerhalbjahr gedeihen verschiedene Wasserpflanzen wie der Wasserstern und das Schwimmende Laichkraut. Tausende Insekten schlüpfen aus dem Weiher und bilden eine wichtige Nahrungsgrundlage für das Ökosystem. In und um den Weiher kommt die Ringelnatter vor, Karpfen und Stichlinge schwimmen durch den Weiher.
Die Krux mit den Fischen
Der Fischbestand kann aus Sicht des Amphibienschutzes ein Problem darstellen. Fische wie Karpfen fressen Laich, Kaulquappen und selbst frisch entwickelte Jungtiere von Fröschen, Kröten und Molchen. Insbesondere in kleinen, stehenden Gewässern, wie dem Mühleweiher, kann ein grosser Fischbestand den Fortpflanzungserfolg von Amphibien massiv einschränken oder sogar ganz verunmöglichen. Die Amphibien legen teilweise Laich ab, doch dieser wird noch vor dem Schlüpfen oder kurz danach von den Fischen weggefressen. Die meisten unserer Amphibien haben sich daher auf fischfreie oder zumindest fischarme Kleingewässer spezialisiert. Sie haben keine wirksame Verteidigungsstrategien gegen die im Wasser lebenden Räuber. Deshalb fehlen im Mühleweiher Amphibien weitgehend. Dennoch dürfen die Fische hierbleiben. Glücklicherweise hat es in der Gemeinde nämlich andernorts eine Vielzahl an kleinen Weihern und Tümpeln ohne Fische und dafür mit vielen Amphibien! Besonders wertvoll sind die Naturschutzgebiete «Sporn», «Geologisches Denkmal» und das Mühlibachtal.
Wasserpflanzen
Wasserstern und Schwimmendes Laichkraut sind typische Wasserpflanzen, welche sich an das Leben im Wasser angepasst haben. Da Wasser rund 800-mal dichter ist als Luft, brauchen sie kein starres Stützgewebe – ihre Stängel sind weich und biegsam und lassen sich von der Strömung tragen. Diese Pflanzen sind weit mehr als Zierde: Sie produzieren tagsüber Sauerstoff, bieten Fischen und anderen Tieren Deckung und Laichsubstrat und sind Lebensgrundlage für zahlreiche wirbellose Wasserbewohner.
Wenn die Luft im Wasser knapp wird
Der lebenswichtige Sauerstoff ist oft knapp im Wasser: Im Vergleich zur Luft kann Wasser nur einen Bruchteil an Sauerstoff lösen. Im Wasser lebende Tiere müssen daher mit weniger Sauerstoff zum Atmen auskommen als Landbewohner. Der Sauerstoffmangel verstärkt sich bei steigenden Temperaturen, da wärmeres Wasser weniger gasförmigen Sauerstoff lösen kann. Dies wird insbesondere in Zeiten des Klimawandels ein Problem für Fische, welche bei zu hohen Temperaturen aufgrund des Sauerstoffmangels zu ersticken drohen. Manche Insekten haben deshalb clevere Strategien entwickelt, um im Wasser mehr Sauerstoff zu erhalten. Rückenschwimmer tragen an ihrem Hinterleib eine Luftblase mit sich wie eine winzige Taucherflasche – und müssen dafür regelmässig an die Oberfläche, um die Luftblase zu erneuern.
Treffpunkt von für Insekten(fresser)
Wer an einem warmen Frühlings- oder Sommerabend am Mühleweiher unterwegs ist, bemerkt oft zahlreiche Insekten über der Wasseroberfläche. Das ist kein Zufall, sondern ein Zeichen für ein funktionierendes Ökosystem. Viele Insekten verbringen einen Teil ihres Lebens im Wasser. Libellen, Mücken, Zuckmücken, Köcherfliegen und Eintagsfliegen entwickeln sich als Larven im Weiher, bevor sie als flugfähige Insekten schlüpfen. Da die erwachsenen Tiere das Gewässer unmittelbar nach dem Schlüpfen verlassen, sammeln sie sich zunächst über der Wasseroberfläche und in der Uferzone. Von diesem reichhaltigen Nahrungsangebot profitieren zahlreiche Tiere. Vögel wie Mehlschwalben und Grauschnäpper jagen die Insekten geschickt, nach Einbruch der Dämmerung übernehmen Fledermäuse die nächtliche Jagd. Die vielen Insekten bilden eine wichtige Grundlage des Nahrungsnetzes und tragen dazu bei, dass der Mühleweiher zahlreichen Tierarten als Lebensraum dient. Ein naturnaher Weiher ist weit mehr als eine Wasserfläche – er ist ein wertvoller Treffpunkt für viele Lebewesen.
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Aus dem «Hunde-WC» wird eine wertvolle Wildstaudenrabatte
Grün war sie zwar, die kleine Rasenfläche am Baselmattweg unmittelbar an der Grenze zu Basel. Viel mehr hatte die unscheinbare Fläche jedoch nicht zu bieten. Vor allem Hundehalterinnen und Hundehalter nutzten sie gerne – weshalb sie bei den Regiebetrieben wenig liebevoll «Hunde-WC» genannt wurde.
Das sollte sich ändern. Mit einer ökologischen Aufwertung entstand im November 2022 eine artenreiche Wildstaudenrabatte, die heute nicht nur das Erscheinungsbild der Fläche verbessert, sondern auch zahlreichen Insekten und anderen Lebewesen Nahrung und Lebensraum bietet.
Der Weg dorthin war allerdings mit einigem Aufwand verbunden. Zunächst mussten die bestehende Rasennarbe und rund 40 Zentimeter Humus mit dem Bagger abgetragen werden. Dabei galt es, besonders auf die bereits 2019 vom Werkhof gepflanzte Flatterulme zu achten und deren Wurzeln möglichst zu schonen.
Anschliessend wurde die Fläche mit 0/16-Leitungskies aufgefüllt. Dadurch entstand ein nährstoffarmer, magerer Boden, der für die ausgewählten Pflanzen besonders geeignet ist. Gleichzeitig kann der Boden dank seines Feinanteils Wasser eine gewisse Zeit speichern.
Ein Paradies für Insekten
Bei der Auswahl der Pflanzen standen vor allem vier Ziele im Vordergrund:
Die Grundlage bildete eine Staudenmischung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Diese wurde zuvor in einem mehrjährigen Feldversuch in Zusammenarbeit mit der Gemeinde auf dem Bettenackerareal getestet und hatte sich dort auch unter schwierigen Bodenbedingungen bewährt.
Für den Baselmattweg wurde die Mischung übernommen und mit weiteren Pflanzen ergänzt. So bietet beispielsweise Fenchel dem Schwalbenschwanz eine wichtige Nahrungspflanze, während der Muskatellersalbei unter anderem von Holzbienen als Nahrungsquelle genutzt wird. Auch zwei Sanddornpflanzen – eine männliche und eine weibliche – wurden gesetzt.
Doch nicht nur Pflanzen machen die neue Rabatte wertvoll. Drei Stelen aus Akazienholz mit unterschiedlich grossen Bohrlöchern bieten Wildbienen mögliche Nistplätze. Wurzelstöcke und Kalksteinhaufen schaffen zusätzliche Strukturen und Verstecke für Insekten und andere Kleintiere.
Die Natur übernimmt
Bereits kurze Zeit nach der Umgestaltung zeigte sich, wie schnell sich die Fläche entwickelte. Neben den gepflanzten Stauden fanden sich auch erste Pionierpflanzen wie Mohn und Natternkopf ein. Die Rabatte wurde damit zunehmend zu einem vielfältigen Lebensraum.
Der Pflegeaufwand hält sich grundsätzlich in Grenzen. Gerade in den ersten Jahren braucht die Fläche jedoch noch etwas Aufmerksamkeit. Vor allem das Wässern und das Entfernen von unerwünschten Beikräutern sind wichtig, bis sich die Stauden etabliert haben. Danach kann sich die Fläche zunehmend selbst entwickeln.
Ein Projekt für die Lernenden
Die Umsetzung wurde als Lehrlingsprojekt des Werkhofs realisiert. Lernende der Allgemeinen Gruppe und der Grünflächen-Gruppe waren an den Arbeiten beteiligt und konnten dabei praktische Erfahrungen sammeln – von den Vorbereitungsarbeiten bis zur Gestaltung und Bepflanzung der Fläche.
Unterstützt wurden sie dabei von der Baugruppe, die unter anderem den Bagger zur Verfügung stellte und für den benötigten Kies sorgte.
Aus einer wenig attraktiven Rasenfläche ist so ein vielfältiger und ökologisch wertvoller Lebensraum entstanden. Das Beispiel am Baselmattweg zeigt, dass auch kleine Flächen einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leisten können.
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