Gemeinde Allschwil

Auf der Spur der Zwergmaus in Allschwil

02.06.2026

In Allschwil wurden im Jahr 2024 Zwergmäuse gefunden – die ersten seit 20 Jahren in der Region Basel. Dies ist insofern bemerkenswert, da es von der stark gefährdeten Art in der Schweiz nur in fünf Regionen verbleibende Populationen gibt.

Die Zwergmaus ist die kleinste einheimische Maus und gar nicht so leicht zu finden. Sie ist meist nachtaktiv und wiegt nur 7-11 Gramm, etwa so viel wie ein Zweifränkler. Der Lebensraum der Zwergmaus, Feuchtgebiete, Schilfbestände und Hochstauden, sind vielerorts mit der Intensivierung des Kulturlandes verschwunden. Valentin Moser hat im Auftrag der Gemeinde Allschwil letztes Jahr die Zwergmaus aufgespürt und dabei auch neue Methoden ausprobiert, um die Populationen zu erfassen. Seine Daten geben wichtige Hinweise für den Schutz der Natur in unserer Gemeinde. Manuela Stranieri von der Allschwiler Umwelt-, Naturschutz- und Energiekommission hat mit ihm ein Interview über die wiedergefundene Kletterkünstlerin geführt.

Valentin Moser, wie bist du zur Zwergmaus gekommen?
Ich interessiere mich schon immer für Tiere, als Jugendlicher habe ich dann über die Ornithologische Jugendgruppe Bebbi Babbler den Zugang zur Naturgefunden. Die Zwergmaus hatte ich schon lange auf dem Radar, und unter anderem im Seeland nach mehreren erfolglosen Exkursionen auch gefunden. Beim Schiessstand Allschwil fand ich die erste Zwergmaus.. Kurz darauf konnte ich in der Nähe der Plumpi eine zweite finden, dieses Mal mit Foto (siehe Abbildung). 

Habt ihr weitere Zwergmäuse gefunden?
Wir haben 2025 dann natürlich weitergesucht, da es sich schweizweit um eine sehr seltene Art handelt. Im Herbst haben wir potenzielle Lebensräume mit Wärmebildgeräten abgesucht. Im Winter haben wir die Nester der Zwergmaus gesucht. Die Nester sind sehr gut gebaut und auch noch zu finden, wenn die Bewohnerin schon lange weitergezogen ist. Wärmebildgeräte sind eine neue Methode um Säugetiere zu finden. Diese Geräte zeigen Wärmebildquellen an. Auch wenn man dann Wärmesignale aufgespürt hat, muss man sich noch ganz vorsichtig nähern und mit der Taschenlampe überprüfen, ob es sich nicht doch um einen kleinen Vogel handelt, einen anderen Nager oder auch mal einen warmen Stein. Erst dann kann man das Tier wirklich bestimmen. Mit diesen zwei Methoden haben wir an verschiedenen Stellen Zwergmäuse nachweisen können, vor allem im Mühlibachtal, wo in den letzten Jahren viel für die Biodiversität gemacht wurde. Davon profitiert scheinbar auch die Zwergmaus. 

Warum ist die Zwergmaus in Allschwil und der Schweiz so selten?
Die Biodiversität in der Schweiz hat massiv abgenommen. Als Grund wird oft die intensive Landwirtschaft genannt, aber wir sind auch Weltmeister im Landschaft pützerlen. Als Allschwiler kann man sich davon ganz einfach ein Bild machen. Einfach mal über die Grenze nach Frankreich spazieren: Da hat es mehr wilde Ecken, Altgrasstreifen, Brachen und ungemähte Borde. Es sind genau diese Lebensräume welche Arten wie die Zwergmaus brauchen. 

Ihr habt auch die Lebensräume der Zwergmaus in Allschwil dokumentiert. Warum ist dies wichtig?
Zu der Zwergmaus ist wirklich wenig bekannt. Das Habitat in Allschwil ist trockener als oft in der Literatur angegeben. Besonders wichtig bei uns scheinen vielfältige Hochstaudenfluren: Diese haben oft Brennnesseln, Schachtelhalm, Brombeeren und andere mehrjährige Stauden. Wir haben daher unsere Beobachtungen besonders sorgfältig dokumentiert und uns mit anderen Experten ausgetauscht. Da die Zwergmaus so heimlich lebt, ist das Wissen begrenzt. Dieses brauchen wir aber, um die Art effizient schützen zu können. 

Und was kann man mit den Ergebnissen eurer Zählung machen?
Die Kenntnisse über die Zwergmaus, ihren Lebensraum und ihrer Verbreitung ermöglichen es dem Forst und der Landwirtschaft ihre Praktiken anzupassen und Lebensräume für Tiere besser zu erhalten oder neu zu schaffen. Für die Zwergmaus kann man zum Beispiel die Vernetzung zwischen Bach und Teichen verbessern, indem man nur Teile der Vegetation mäht, Waldränder etappenweise pflegt und einen grosszügigen Krautsaum stehen lässt oder Hochstauden gezielt an geeigneten Flächen fördert. Dies kann man parallel zu einer modernen Landwirtschaft machen, ohne Ertragseinbussen, wenn man weiss auf was es ankommt. Von diesen Massnahmen profitieren auch Amphibien, Brutvögel und andere Kleinsäuger.

Was empfiehlst du der Bevölkerung in Allschwil?
In Allschwil haben wir eine tolle Natur, mit den Hochstammobstgärten und den zwei Amphibienschutzgebieten nationaler Bedeutung. Tragen wir Sorge zu diesen und sorgen gleichzeitig dafür, dass diese auch in der Zukunft noch bestehen, z.B. durch Vernetzungsmassnahmen, welche es den Tieren erlauben, sicher zwischen diesen und anderen Gebieten ausserhalb der Gemeinde zu wandern. Wer einen Garten hat, kann mit ganz einfachen Massnahmen die Biodiversität fördern. Für die Zwergmaus muss z.B. nicht jedes Jahr gemäht werden: Altgras ist im Winter ein wertvoller Lebensraum, ebenso eine unaufgeräumte Ecke mit Brombeeren und Brennnessel. 

Zwergmaus

Kleines Tier, grosse Bedeutung: Diese Zwergmaus konnte in der Nähe der Plumpi fotografiert werden. Foto: Valentin Moser

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