Allschwil – „unser neues Schulhaus“; Die vielfältigen Anforderungen an das neue Schulhaus

27.08.2012

Unter dem Vorsitz von Gemeinderat Christoph Morat verfeinert eine Planungsbe-gleitkommission (PBK) zurzeit das...

Unter dem Vorsitz von Gemeinderat Christoph Morat verfeinert eine Planungsbe-gleitkommission (PBK) zurzeit das Projekt Regenbogen für das neue Schulhaus, das 2016 auf dem Gartenhof in Allschwil stehen soll. Diese Kommission, der Mitarbeitende der Hauptabteilungen Hochbau-Raumplanung und Bildung, Erziehung und Kultur sowie Nutzer des neuen Schulhauses angehören, ergreift zusammen mit den Architekten Bereinigungs- und Optimierungsmassnahmen, damit das geplante Schulhaus möglichst allen Ansprüchen gerecht wird. Das AWB stellt Sinn und Zweck der Planungsbegleitkommission sowie deren Mitglieder und Anforderungen vor. Gleichzeitig lernen Sie auch die Denkweise der Architekten des neuen Schulhauses kennen.


Das neue Schulhaus aus der Sicht des Bauherrn:

Herr Morat, Sie sind Vorsitzender der Planungsbegleitkommission: Welche Fragen genau muss diese Planungsbegleitkommission beantworten?
Im Rahmen einer Projektweiterbearbeitung soll die Kommission anhand der vorliegenden Unterlagen aus dem Wettbewerb das Siegerprojekt „Regenbogen“ prüfen, ob aus Sicht der Nutzer gravierende Mängel vermieden werden können, Optimierungen, wie sie die Jury schon empfohlen hat, sinnvoll sind und der Betrieb und Unterhalt ohne grössere Aufwände möglich ist. Weiter soll die Kommission bereits jetzt dem Architektenteam Vorstellungen über Raumform, Beschaffenheit von Böden, Wänden und Decken und der benötigten Infrastruktur und Haustechnik vermitteln. Je früher solche Ansprüche der Nutzer klar sind und die Planungen entsprechend laufen können, umso störungsfreier und kosten-günstiger ist dann die Realisierung des Schulhauses. Dabei sind die Kosten immer im Auge zu behalten. Die Ergebnisse fliessen direkt in das Vorprojekt, welches die Architekten erstellen und über das der Gemeinderat, der Einwohnerrat und schlussendlich das Volk entscheiden. Die Planungsbe-gleitkommission trifft aber keine Entscheidungen über Projektänderungen, Materialwahl oder Gestaltungsfragen und ist nicht als Kontrollorgan von Verwaltung, Projektleitung oder Planer zu verstehen. Das ist und bleibt abschliessend der Gemeinderat, der das Projekt transparent und breit abgestützt zum Erfolg führen will.
Christoph Morat, Gemeinderat, zuständig für Hochbau und Raumplanung, Vorsitz


Frau Pausa, Sie waren Mitglied der Jury, die das Projekt „Regenbogen“ zum Sieger des Wettbewerbs unser neues Schulhaus erkoren hat. Welche hauptsächlichen Korrekturen muss diese Planungsbegleitkommission nach Ihrer Ansicht am Siegerprojekt nun noch vornehmen?
Korrekturen sind meiner Ansicht nach keine nötig, bestenfalls Anpassungen. Vielmehr sind offene Fragen und Entscheidungen noch zu diskutieren und zu fällen: Zum Beispiel die, ob eine Tiefgarage nötig und sinnvoll ist? Auf der einen Seite stehen die hohen Kosten für eine Tiefgarage, auf der anderen Seite ergäbe sich durch eine solche mehr Aussenraum als Spielfläche, die für so viele Schülerinnen und Schüler wichtig ist. Zudem müssen die Pausenplätze, Spiel- und Sportflächen noch genau definiert und ausgestaltet werden. Damit der geforderte Minergie-P-Standard erreicht wird, werden schliesslich von den Architekten die dafür erforderlichen Massnahmen erarbeitet. Insgesamt hat mich persönlich beeindruckt, dass sich die Architekten sehr gut mit den Anforderungen und Ansprüchen, die an eine zeitgemässe Schule gestellt werden, kreativ auseinandergesetzt haben.
Franziska Pausa, Gemeinderätin, zuständig für Bildung, Erziehung und Kultur:


Das neue Schulhaus aus der Sicht der Nutzer:

Herr Engels, welche Korrekturen müssen beim Siegerprojekt nun noch vorgenommen werden, damit aus Ihrer Sicht eine Primarschule in der heutigen Zeit einwandfrei funktionieren kann?
Unser Schulsystem befindet sich zurzeit mit Harmos noch auf etliche Jahre hinaus in einem grossen Umwandlungsprozess. Als engagierte Lehrerinnen und Lehrer wollen wir die Kinder dabei auf ihrem Lernweg von dann 6 Primarschuljahren begleiten. Der „Regenbogen“ bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie die heutigen Unterrichtsformen gut umgesetzt werden können. Zimmerangebot, Turnhalle und Aula werden eine tolle Lernumgebung bieten. Da rund 600 Kinder sich auf engem Raum zwischen Verkehr und Sekundarschule schulisch zu Hause fühlen sollen, gilt unser Augenmerk einer optimalen Übersichtlichkeit. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich gut auf ihre schulischen Aufgaben einlassen können. Ausreichend Bewegungs- und vielfältige Aussenraumzonen erachten wir dazu für ausgesprochen wichtig. Wer sich zwischendurch gut bewegen oder zurückziehen kann, widmet sicher wieder gerne dem Lernen. Deshalb wollen wir auf dem dichten Areal möglichst viel Aussenraum für die Kinder. Die erforderten Parkplätze sollen möglichst unterirdisch angelegt werden. Ein weiterer zentraler Punkt aus Schulsicht ist die Möglichkeit zu direkter Lüftung der Zimmer. Eine Möglichkeit der Fensteröffnung möchten wir auch bei Beachtung von Energiesparmassnahmen unbedingt erhalten. Schulraum ist Lebensraum, dazu gehört auch in Zukunft der direkte Bezug von der Innen- zur Aussenwelt.
Christian Engels, Schulleitung Primarschule Allschwil


Frau Rauber, Herr Jost, welche Hauptanliegen bringen Sie als Nutzer des neuen Schulhauses in diese Kommission ein?
Die Chance, Mitsprache bei der Planung und Entscheidung zur Gestaltung der Inneneinrichtungen, der Wahl der Materialien und der Objekte in den Räumlichkeiten wahrzunehmen, um damit zu einer lern- und lehrfördernden Umgebung für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte beizutragen.
Monika Rauber, Lehrerin Unterstufe


Als Lehrer im Schulzentrum kenne ich die Abläufe und Schwierigkeiten in einem sehr grossen Schulhaus. Ich möchte mithelfen, dass von den baulichen Gegebenheiten her möglichst gute Voraussetzungen für den Betrieb im neuen Schulhaus entstehen und trotz der Grösse des Schulhauses genügend Platz und Nischen entstehen, damit sich alle darin wohlfühlen können.
Andres Jost, ISF-Lehrer Mittelstufe


Herr Kraus, als Abteilungsleiter Jugendarbeit & Freizeit kennen Sie die Bedürfnisse der Allschwiler Jugend besonders gut: Welche Bedürfnisse muss aus Ihrer Sicht das neue Allschwiler Schulhaus abdecken und worauf legen Sie deshalb vor allem Ihr Augenmerk?
Primär ist es mir ein Anliegen, dass der Aussenraum des Schulhauses kindgerecht und vielseitig gestaltet wird, um den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Es sollte auch Nischen geben, wo sich eine Gruppe Kinder zurückziehen kann. Es wäre wünschenswert, wenn die Kinder der betroffenen Schulen an der Aussenraumgestaltung in einem angeleiteten Projekt ihres künftigen Schulhauses teilnehmen könnten, wie das im April 2012 im trinationalen Projekt „Traumschule“ gemacht wurde. Weiter ist es mir ein Anliegen, in einem Schulhaus von der geplanten Grösse darauf zu achten, dass sich die Kinder darin wohlfühlen und sich nicht in einer anonymen Umgebung „verlaufen“ – es sind ja letztlich auch kleine siebenjährige Kinder dabei. Ebenso sollte es getrennte Pausenbereiche für die jüngeren und älteren Schülerinnen und Schüler geben. Schön wäre es, wenn der grosse Pausenplatz ausserhalb der Schulzeit für sportliche Aktivitäten der Allschwiler Jugend benützt werden könnte. Allschwil verfügt innerhalb des Ortes immer weniger über öffentlich zugängliche Flächen für den Freizeitbereich. Mein persönliches Anliegen ist eine naturnahe Aussenraumgestaltung, die einem ebensolchen Schulunterricht förderlich wäre.
Heinz Kraus, Hauptabteilungsleiter stv. Bildung, Erziehung und Kultur (BEK), Abteilungsleiter Jugendarbeit & Freizeit


Herr Salathé, Sie sitzen als Vertreter der Allschwiler Vereine in dieser Kommission: Welchen Hauptanforderungen müssen die neue Sporthalle und Aula aus Ihrer Sicht und damit aus Sicht der Vereine in erster Linie genügen?
Unsere Anliegen sind vielfältig: Unabhängige und barrierefreie Erreichbarkeit von Sporthalle, Aula sowie deren Infrastrukturräumen (Garderoben, Küche, Geräteräume, etc.); Erfüllung der BASPO-Normen, insbesondere im Bezug auf die Masse (49m x 28m und 9m Höhe); sportgerechte Markierungslinien, Ausstattung und Beleuchtung. Insbesondere für Badminton aber auch für Volleyball sind zudem folgende weitere Aspekte zu beachten: keine weissen Wände, Fensterfronten mit dunklen/lichtundurchlässigen Storen abdunkelbar, kein Oberlicht oder zumindest abdunkelbar. Zudem möchten wir in der Sporthalle eine kleine Zuschauertribüne und zusätzlich abschliessbare Schränke für die Vereine. Nicht zuletzt streben wir ein sinnvolles Benutzerreglement an, das Raum lässt für regelmässige Benutzungszeiten und Zusatzveranstaltungen (z.B. Konzerte, Turniere).
Marc Salathé, Kassier Badminton Club Smash Allschwil


Herr Gloor, ein neues Gebäude muss unterhalten werden, wofür in erster Linie die Hauswarte zuständig sind: In welchen Bereichen muss das Siegerprojekt aus Ihrer Sicht hauptsächlich nachgebessert werden, um Ihren und Ihren Kollegen die Arbeit in absehbarer Zukunft einmal zu erleichtern?
Die gesamte Sc
hulanlage, inklusive Aussenanlage, muss gut zugänglich sein. Im neuen Schulhaus sollten möglichst pro Etage zwei Räume für die Reinigungshilfen zur Verfügung stehen. Wichtig ist für uns Hauswarte generell die Beschaffenheit der diversen Böden. So streben wir für die Schulzimmer Böden mit PVC oder Linoleum an; so müsste die Grundreinigung nicht jedes Jahr durchgeführt werden, was aus ökologischer und betriebswirtschaftlicher Sicht ideal wäre. Die Gänge im Schulhaus sollten wenn möglich aus Stein sein. Zudem wünschen wir uns kabellose Reinigungsmaschinen, die mit Batterien betrieben werden.
Hugo Gloor, Hauswart mit eidg. Fachdiplom, Hauptverantwortung für alle Schulhäuser


Das neue Schulhaus aus der Sicht der Architekten:

Frau Uhlmann, was glauben Sie: Warum hat sich die Jury für Ihr Projekt „Regenbogen“ entschieden – was zeichnet Regenbogen besonders aus?
Die einfache städtebauliche Setzung mit zwei Baukörpern hat die Jury bestimmt überzeugt. Die Gliederung des Raumprogramms in nur zwei Volumen, einem Baukörper längs zur Binningerstrasse für die öffentliche Nutzung (Sport und Aula) und einem Längskörper (Schulhaus) auf der Westseite schaffte die nötige Übersichtlichkeit und Klarheit für eine Schulanlage dieser Grösse. Wir haben lange auf dem städtebaulichen Massstab nach möglichen Lösungen gesucht und waren erstaunt, als das ganze Programm gegliedert in zwei grosse Volumen plötzlich so viel Handlungsspielraum generierte. Die Anordnung der Dreifachsporthalle im 1. Obergeschoss war ein wichtiger Erkenntnisschritt, denn er schaffte den gesuchten Freiraum auf Bodenebene, von dem ein Schulhaus für 600 Kinder nie genug haben kann. Im Weiteren war uns wichtig dass die Sporthalle mit Aula als öffentliches Gebäude auch ausserhalb der Schulzeiten gut genutzt werden kann und deshalb gut auffindbar sein musste. Im Schulhaus nutzten wir den bestehende Geländesprung von der Binningerstrasse zum Lettenweg mit einem Splitlevel, um das grosse flächige Volumen zu segmentieren und die verschiedenen Nutzungs-bereiche in überschaubare Einheiten anzuordnen. Auf diese Weise konnten wir den heutigen pädagogischen Anforderungen Rechnung tragen und hatten vier Bereiche in einem grossen Körper untergebracht.
Anne Uhlmann, Architektin des Siegerprojektes Regenbogen


Herr Rabinovich, von welchen architektonischen Ansätzen, Ideen, Vorbildern oder Personen liess sich Ihre Arbeitsgemeinschaft bei der Schaffung des Projektes Regenbogen leiten?
Uns faszinierte die Aufgabe, ein öffentliches Gebäude sowohl für die Kinder wie auch für die gesamte Bevölkerung von Allschwil zu planen. Schulbauten sind eine Herausforderung für uns Architekten, weil die Suche nach neuen Lernformen besonders eine räumliche Suche ist. Dazu gehören die Klassen-zimmer und Gruppenräume, aber auch jene Flächen, die nicht explizit einer bestimmten Nutzung gewidmet sind und Begegnungen en passant ermöglichen. Unser Ziel dabei: ein Gleichgewicht zu finden zwischen den ökonomischen und betrieblichen Vorteilen, die ein grosses Schulhaus mit sich bringt, und dem Bedürfnis nach Geborgenheit, dem auch ein Haus für 600 Kinder entsprechen kann. Im Ganzen suchten wir eine gewisse Offenheit, so dass die zukünftigen Nutzer sich die diversen Innen- und Aussenräume selbst aneignen können. Das Haus an der Binningerstrasse mit seinen öffentlichen Nutzungen hat das Potenzial, als wichtiges kommunales Gebäude wahrgenommen zu werden.
Carlos Rabinovich, Architekt des Siegerprojektes Regenbogen


Herr Birchmeier, Regenbogen existiert vorerst nur auf den Plänen: Welches werden die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung der Planspiele Ihrer Arbeitsgemeinschaft auf den Boden des Gartenhofs sein?
Die grösste Herausforderung wird sicherlich sein, unsere Visionen und Bilder welche nur als Pläne, Skizzen, Modelle und Fotomontagen bestehen, in gebaute Architektur umzusetzen. Das Projekt Regenbogen soll zu einer zeitgemässen und lebendigen Schule heranwachsen, einer Schulanlage mit Ein- und Durchblicken, die in ihrer Gesamtheit ein offenes und freundliches Ensemble bildet. Diese Vorstellung gilt es nebst der räumlichen Konstellation auf der Ebene des Ausdrucks und der Materialität umzusetzen, so dass ein inspirierender Ort des Lernens und Lehrens aber auch ein Ort der Begegnung entsteht. Nicht zuletzt bildet heute auch die Integration der hohen technischen Anforderungen sowie die Anliegen an Ökologie und Ökonomie eine stetig wachsende Heraus-forderung. Diese teilweise gegensätzlichen Erwartungen gilt es im Planungsprozess in Einklang zu bringen.
Urs Birchmeier, Architekt des Siegerprojektes Regenbogen

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