Von Almswilre nach Allschwil - ein historischer Rückblick

Das Drämmli(das Tram)

Urkundlich erstmals 1033 als Almswilre erwähnt, d.h. Weiler des Alaman. Es ist unklar, ob die römische aus schriftlichen Aufzeichnungen bekannte Strassenstation Arialbinum (Itinerarium Antonini, um 280 n. Chr.) mit Allschwil identisch ist.

Bodenfunde bezeugen, dass hier seit der älteren Steinzeit Menschen lebten.

 

Gefunden wurden unter anderem Glockenbecher aus der Jungsteinzeit, Gräber aus der jüngeren Bronzezeit und aus der Römerzeit, ein gallorömisches Brandgräberfeld, römische Mauern und Münzen (ca. 25-60 n.Chr.). Aus dem frühen Mittelalter stammen Steinplattengräber an der Klarastrasse.

In fränkischer Zeit gehörte Allschwil zum Herzogtum Elsass. 1004 gelangte es als Teil einer umfangreichen Schenkung an den Bischof von Basel. Während des deutschen Bauernkrieges schloss Allschwil 1525 zusammen mit Reinach, Therwil, Oberwil und Ettingen mit Basel ein Burgrecht, das bis 1585 Bestand hatte. 1627 gelang es dem Bischof von Basel, das seit 1529 reformierte Allschwil zu rekatholisieren. Während des Dreissigjährigen Krieges kam es zu Plünderungen durch die Schweden (1634).


Bedeutender Grenzort
Als verkehrsstrategisch bedeutender Grenzort an der Verbindung Elsass-Solothurn (via Passwang, unter Umfahrung Basels) war Allschwil ein wichtiger Zollübergang. Bis 1724 war das Salzmagazin der nördlichen Vogteien des Fürstbistums im Dorf angesiedelt. Allschwil gehörte zu den sieben freien Dörfern (Vagantes extra civitatem Basiliensem). Das Patronatsrecht der Kirche St. Peter und Paul (untere, romanische Teile des Turms aus dem 12./13. Jh., Neubau 1698-99) lag ab dem 12. Jahrhundert beim Basler Domkapitel. Die Pfarrei Allschwil umfasste zudem Schönenbuch, Hésingue (F) und bis 1611 Hegenheim (F).

Französische Annektion
Bis 1798 war das Baselbiet der Stadt Basel untertan. Danach wurde es gleichberechtigt, blieb aber wegen tiefem Bildungsstand und geringer Wirtschaftskraft benachteiligt. Dies, obschon bevölkerungsmässig im Verhältnis 5:3 in der Überzahl.

1792 wurde das Fürstbistum Basel durch französische Truppen besetzt und im darauffolgenden Jahr von Frankreich annektiert. 1792 kam Allschwil zur Raurachischen Republik, ab 1793 zu Frankreich als Teil des neu geschaffenen Département du Mont-Terrible, später des Département du Haut-Rhin.

1815 teilte der Wiener Kongress das ehemalige Fürstbistum dem Kanton Bern zu - mit dem Laufental, aber ohne das Birseck, welches zu Basel kam. Allschwil wurde dem Bezirk Birseck des alten Kantons Basel zugeteilt. Wie in anderen Kantonen kam es in der Regenerationszeit nach 1830 auch im damaligen Kanton Basel zu Auseinandersetzungen um die politischen Rechte der Landbevölkerung. Der Streit wuchs sich zu blutigen und unversöhnlichen Kämpfen aus, die trotz der Intervention der übrigen Stände zur Trennung der linksrheinischen Landgemeinden von der Stadt Basel führten. Seit der Kantonstrennung 1833 gehörte die Gemeinde zum Baselbieter Bezirk Arlesheim.


Das 6er-Drämmli
Nach der Korrektion des Dorfbaches und der Baslerstrasse wurde am 1. Juli 1905 die Tramlinie Barfüsserplatz - Allschwil offiziell eingeweiht. S'Drämmli ersetzte die bisher noch auf dieser Strecke verkehrende Postkutsche. Nach der Basler Stadtgrenze fuhr das Tram damals noch überwiegend durch eine unverbaute Landschaft bis an die Dorfgrenze von Allschwil. Ab Dezember 1919 verkehrte der Sechser auf der Strecke Allschwil - Riehen, ab 1926 fuhr er durchgehend bis nach Lörrach. Als am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach, wurde die deutsche Strecke nicht mehr befahren.


Kriegswirren
Allschwil zählte während des ersten Weltkrieges (1914-1918) gegen 4'300 Personen und rund 60 landwirtschaftliche Betriebe mit gegen 150 Beschäftigten. Aufgrund von Bundesbeschlüssen mussten die Anbauflächen von Wintergetreide und Kartoffeln drastisch erhöht werden. Dabei fielen in Allschwil der Dorfplatz, in Neuallschwil der Fussballplatz Hagmatten oder der Platz beim Schulhaus Gartenstrasse dem Pflug zum Opfer.

Nach Jahren der wirtschaftlichen Not musste im letzten Kriegsjahr eine Lebensmittelrationierung eingeführt werden. Von weither sichtbar war der rund 25 m hohe Beobachtungsturm am Ende des Judengässleins, von wo aus die Schweizer Soldaten die Bewegungen hinter der Grenze verfolgten.

Noch etwas höher waren die Hochkamine der Allschwiler Ziegeleien Passavant-Iseli, Ziegelei Rothpletz (ab 1918), der Ziegelei Werner und von Ow sowie der Ziegelei Tranzer. Die Ziegeleien hatten die zuvor zahlreichen Kleinbrennereien, Ziegelhütten genannt, ersetzt. Sie waren der unübersehbare Beweis dafür, dass sich Allschwil von der agrarorientierten zur städtischen Siedlung gewandelt hatte. Wie die Schuhfabrik, in der 1922 ein landesweit beachteter Generalstreik stattfand, litten auch die Ziegeleien während der Weltwirtschaftskrise in der 1930er-Jahren.


Kriegsflüchtlinge in Allschwil
Am 29. August 1939, also zwei Tage vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges, wurden in der Schweiz die Grenztruppen aufgeboten. Die Schweiz berief sich auf ihre bewaffnete Neutralität und ordnete die allgemeine Mobilmachung am 2. September 1939 an. Auch die Allschwiler Grenze wurde verstärkt bewacht.

Wie die gesamte Schweiz blieb auch Allschwil von kämpferischen Auseinandersetzungen verschont. Dennoch blieb das Kriegstreiben auf der anderen Seite der Grenze nicht unbemerkt. Schon wenige Tage nach Kriegsausbruch fanden 80 Schweizerfamilien, die innert weniger Stunden die elsässische Nachbarschaft hatten verlassen müssen, vorläufig Unterkunft in Allschwil. In der Nacht auf den 10. Juni 1940 ertönte schwerer Geschützdonner vom Elsass her über die Schweizer Grenze. Wenige Tage später, am 20. Juni 1940, erschienen die ersten deutschen Militärpatrouillen an der elsässisch-schweizerischen Grenze in Allschwil.

Im September 1944 näherte sich das Kriegstreiben bedrohlich der Region. Die Baselbieter Grenztruppen wurden mobilisiert und mussten unverzüglich einrücken. Nach einem versehentlichen Angriff amerikanischer Jagdflugzeuge auf den Schnellzug Zürich-Basel bei Augst wird auch in Allschwil angeordnet, die Schulhäuser und weitere grosse Gebäude mit einem Schweizerkreuz zu kennzeichnen. Einen Tag später hebt der Bundesrat die Verdunkelung auf, damit es nicht wieder zu versehentlichen Bombenangriffen kommt. Im unteren Kantonsteil wurden Fesselballons mit aufgemaltem Schweizerkreuz zur besseren Erkennung der Schweizer Grenze angebracht.


Deutsche Soldaten flüchten in die Schweiz
Am 20. November 1944 zogen sich die deutschen Grenzwächter von der Baselbieter Grenze zurück. Um die Mittagszeit überschritten vereinzelt die ersten deutschen Soldaten die Grenze bei Allschwil, grössere Gruppen folgen gegen Abend und bis spät in die Nacht hinein, im ganzen gegen 200 Mann. Auch in Schönenbuch kamen deutsche Soldaten über die Grenze. In den folgenden Tagen betraten an den Grenzübergangsstellen des unteren Baselbietes auch Zivilflüchtlinge Schweizerboden, vor allem ins Elsass versetzte Ausgebombte, meist Frauen und Kinder. Auf Veranlassung des Ortswehrkommandos Allschwil organisierte das Rote Kreuz eine Hilfsaktion für die Verwundeten, die neben 350 Flüchtlingen in Neuweiler untergebracht wurden.

Nach dem Krieg wurde dem Allschwiler Landarzt Dr. Hermann Augustin im Elsass für seine Hilfsbereitschaft während des Zweiten Weltkriegs öffentlich gedankt.

Seit der Industrialisierung der Baselbieter Vorortsgemeinden nach 1900 gab es eine kräftige Bewegung in beiden Basel für eine Wiedervereinigung. In verschiedenen Volksabstimmungen sprachen sich beide Kantone dafür aus. Doch 1969 votierte im Kanton Basel-Landschaft eine deutliche Mehrheit gegen eine Aufgabe der Selbständigkeit.

Bevölkerungswachstum
Nicht zuletzt aufgrund der Zuwanderung aus Basel erlebte Allschwil in den Jahren zwischen 1850 bis 1970 ein gewaltiges Bevölkerungswachstum. 1930 wurde Allschwil zur einwohnerstärksten Baselbieter Gemeinde. Nur kurzzeitig hatte Reinach mehr Einwohner. Mit dem Verzicht auf die Eingliederung in den Städteverband betonte Allschwil seinen dörflichen Charakter. Dieser wird durch die Restauration der Fachwerkhäuser (1976 Auszeichnung des Europarats, 1980 Dorfkernplanung) nachhaltig gepflegt.


Quellenhinweis:
Bilder aus dem alten Allschwil, Joseph Blauel, Allschwiler Schriften
100 Jahre Dorfbank Allschwil, Dr. Hans-Peter Farner
Chronik des Kanton Basel-Landschaft

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